Seitenupdate und kleine Wanderung

Mi., 01.05.2019

Seit meinem Abbruch meiner Reise im vergangenen Jahr, sind bereits mehrere Monate vergangen und manch Leser wird sich vielleicht gefragt haben, ob es weiter geht, wann es weiter geht oder was ich nun mache. Ich möchte was diese Fragen betrifft heute etwas Klarheit bringen. Außerdem gibt es heute wieder etwas zu lesen und betrachten – wie soll es anders sein – von Deutschlands schöner Landschaft. Dieses Mal jedoch aus einer komplett anderen Ecke, als bei meinem Tourenende.

Doch nun erst einmal ein paar Informationen was in den letzten Monaten alles passiert ist und wie es weiter geht:

Nach meinem Entschluss meine Tour am Fuße der Zugspitze nach knapp 3000km zu beenden, ging es erst einmal zurück nach Niedersachsen, nach Hankensbüttel.  Bis Ende Dezember schließlich der gemeinsame Umzug nach Magdeburg statt fand. Das die Entscheidung aufzuhören richtig war, bemerkte ich daran, das ich auch mehrere Wochen nach Abbruch keine Trauer oder Reue verspürte. Nichts zog mich wieder in die Ferne. Ich bemerkte dafür recht schnell das ich mich in Magdeburg nicht wohl fühle. Ich bin kein Stadtmensch und die Landschaft rund um Magdeburg sprach mich schon bei meiner Tour nicht wirklich an. Daher beschloss ich meinen Radius nach einer Arbeitsstelle zu erweitern. Bis ich schließlich an der Ostseeküste ein verlockendes Angebot fand. Eine Gärtnerstelle auf einem Campingplatz direkt am Meer. Ich bewarb mich für diese Stelle und bekam schließlich auch die Zusage. Und so stand schließlich Ende März ein erneuter Umzug von Magdeburg an die Ostseeküste an. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte ich plötzlich tief in mir das Gefühl Zuhause angekommen zu sein.

Doch was passiert nun mit meiner Deutschlandreise? Geht sie weiter? Oder war mit Garmisch wirklich Schluss? Nun, wenn ich etwas angefangen habe, dann beende ich es in der Regel auch. Mich reizt es ungemein auch noch die Westhälfte unseres Landes zu Fuß zu bereisen. Aber ich muss auch der Realität ins Auge schauen. Eine Reise mehrere Monate am Stück ist Luxus und so einen Luxus kann man sich nicht nur finanziell sondern auch zeitlich nicht mal eben so leisten. Meine finanziellen Polster sind aufgebraucht, zudem habe ich große Lust mich meinen neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen. Eine mehrmonatige Reise wird es daher zu 100% in der nächsten Zeit nicht mehr geben. Aber ich habe natürlich wie jeder Arbeitnehmer Urlaub. Und ich kann mir gut vorstellen in meinen Urlauben, oder zumindest in einem Teil davon, meine Reise fortzusetzen. Ein kontinuierliches Lesen ist bei einer solchen Berichterstattung dann natürlich nicht mehr möglich. Aber ich werde mir etwas überlegen, damit interessierte Leser zumindest die Möglichkeit bekommen zeitnah informiert zu werden, sollte es in Sachen Deutschlandreise 2.0 Neuigkeiten geben.

Als kleines Appetit-Häppchen gibt es heute eine kleine Wanderung entlang der schönen Ostseeküste von Kühlungsborn nach Rerik.

 

Kühlungsborn – Kägsdorf – Meschendorf – Rerik

Kilometer: 13,8km

Die Sonne strahlt von einem makellosen Himmel, als ich meine Tour an der Seebrücke von Kühlungsborn beginne. Noch wird der lange weiße Sandstrand nur von wenigen Urlaubern bevölkert. In wenigen Wochen wird dies jedoch gewiss anders ausschauen. Ich mache mich auf den Weg Richtung Westen auf der Strandpromenade, die mit knapp 4km Länge als längste Uferpromenade Deutschlands gilt. Trotz der frühen Jahreszeit sind hier bereits jede Menge sonnenhungrige Menschen unterwegs. Zwischen Strand und Promenadenmauer liegt ein schmaler Dünengürtel, der jedoch sichtbar unter der letzten Sturmflut des Winters gelitten hat. Zahlreiche Sandberge entlang dieses Dünenstreifens deuten darauf hin, dass man nun vor der Saison den Sandverlust mittels Sandaufschüttungen kompensieren möchte. Mit jedem Kilometer Richtung Westen wird der Dünenbereich breiter. In regelmäßigen Abständen gibt es Durchgänge hin zum Meer, während sich zu meiner linken Seite der Stadtwald von Kühlungsborn ausbreitet. Einzig eine Straße mit einer Häuserreihe, trennen ihn von der Promenade. Früher bestand Kühlungsborn aus zwei Ortschaften. Brunshaupten  und Arendsee. Auf halber Strecke, der Promenade wird an einem der Durchgänge zum Meer auch heute noch die ehemalige Stadtgrenze angezeigt. Nach etwa 1,5km erreicht man schließlich den Ortskern von Kühlungsborn-Ost oder früher Arendsee. Ein großer Platz direkt am Meer, der sogenannte Baltic-Platz bietet jede Menge Unterhaltung. Ein Karussell dreht laut trällernd seine Kreise und Trampoline laden die Kinder zum springen ein. Mit erreichen dieses Platzes hat man auch das Ende der Promenade erreicht. An mehreren großen Hotels vorbei, führt mich mein Weg in einen urigen Eichenwald, der sich entlang der Küste Richtung Westen zieht. Auf sandigen Wegen führt mich der Weg entlang des Campingplatzes Kühlungsborn parallel zum Meer, bis ich schließlich am östlichen Ende des Ortes den Strand betrete. Ich bewundere das glasklare Wasser hier und schlendere wie viele Touristen direkt an der Wasserkante entlang, immer den Blick nach unten – man könnte schließlich irgendwas interessantes entdecken.

Seebrücke von Kühlungsborn
Glasklares Wasser
Entlang von Deutschlands längster Uferpromenade
Reetdächer gibt es hier auch

Mit der Ortsgrenze habe ich das Naturschutzgebiet Riedensee errreicht. Direkt an der Nase, wo die Küste nach Südwesten abbiegt, hat sich ein Dünengebiet entwickelt, in dem sich der Strandsee Riedensee befindet. Bei Sturmflut wird der schmale Strandbereich überspült und in den See gelangt salziges Meereswasser. An seiner Westseite befindet sich ein natürlicher Ablauf, der je nach Wasserstand mal weiter in den Strandbereich hinein reicht, oder komplett verschwindet. Nach Süden hin steigt das Gelände schnell an und an seiner höchsten Erhebung bei Bastorf liegt der Leuchtturm “Buk”. Er ist mit knapp 21m Höhe einer der kleinsten Leuchttürme Deutschlands, aufgrund seiner topographischen Lage liegt die Leuchtfeuerhöhe jedoch bei 95m.

Der Wind nimmt zu und die Dünung wird sichtbar rauer
Der Riedensee. Im Hintergrund der Leuchtturm “Buk”
Leuchtturm “Buk”

Mit erreichen des Riedensees und der Landspitze hat ein kräftiger Wind eingesetzt. Im Gegensatz zum Sandstrand in Kühlungsborn wird hier der Wellengang deutlich rauer. Ich versuche immer in unmittelbarer Nähe zum Wasser vorwärts zu kommen. Hier ist der Sand feucht und man kommt besser voran wie im tiefen trockenen Sand zu den Dünen hin. Auch hier fallen mir die großen Küstenabbrüche der letzten Sturmflut auf. Ganze Torfbrocken hat es aus den Dünen gerissen.

Auf Höhe des Riedensees sieht es aus wie an der Nordsee.
Geschütztes Gebiet

Nach erreichen des Parkplatzes bei Kägsdorf, verändert die Küste plötzlich ihr Bild. Aus der sanften Dünenlandschaft wird peu a peu eine Steilküste. Der Radwanderweg vor mir nach Meschendorf ist aufgrund Sturmschäden gesperrt. Ich versuche dennoch mein Glück. Kurz darauf kann ich auch erkennen wieso hier gesperrt ist. Der komplette Radweg wurde Opfer der Sturmflut. Weit hat sich hier die Ostsee ins Landesinnere ihren Weg gesucht. Ich folge einem schmalen Pfad durch vom Wind gezeichnete Bäume Richtung Meschendorf. Kurz darauf stehe ich wieder auf dem hier noch intakten Radweg.

Auf schmalen Pfaden durch einen urigen Küstenwald

In Meschendorf angekommen, halte ich mich rechts und laufe wieder vor ans Meer. Steil fällt nun hier die Küste hinab ins Meer. Eine steile Rampe führt hinab zum Meer. Ich beschließe jedoch dem Wanderweg zu folgen, der mich auf schmalen Pfaden oberhalb der Steilküste durch Sanddorn und zahlreiche Senken nach Südwesten führt. Bereits hinter dem Ort sieht man eindrücklich wie hier ganze Landmassen in Bewegung sind. Bis weit ins Hinterland hinein kommt es immer wieder zu Rutschungen und Absenkungen. Grund ist eine nur schwer wasserdurchlässige Bodenschicht, auf der das Wasser und die sich darüber befindlichen sandigen Erdschichten Richtung Meer gleiten. Der Rest erledigt dann die Ostsee. Sozusagen Angriff von zwei Seiten.

Deutlich sind hier die Senkungen und Abrutschungen hin zur Ostsee zu erkennen
Infotafel dazu

Mein Weg führt mich am Campingplatz Meschendorf vorbei durch einen kleinen Küstenwald direkt an der Abbruchkante. Im Sommer kann man hier im Schatten und bei kühlendem Wind sicherlich schön wandern. Immer wieder umrundet der Weg kleine Schluchten, die steil hinab ins Meer abfallen. Teilweise überbrücken kleine Stege den Beginn dieser Schluchten. Immer wieder bleibe ich stehen und genieße den Blick hinab aufs Meer und in die Ferne. Ich muss es immer wieder aufs neue realisieren: Ich bin nicht im Urlaub, ich wohne und arbeite nun hier!

Immer wieder tolle Blicke raus aufs Meer
Wanderwege oberhalb der Steilküste

Vorbei geht es an einer Schutzhütte. Ich kann mir das grinsen nicht verkneifen. Vor einigen Monaten hätte ich hier mein Lager aufgeschlagen. Mein Zelt aufgebaut, den Kocher raus geholt. Die Hütte wäre für eine Nacht mein “Zuhause” geworden. Ich setze mich in die Hütte und blicke hinaus aufs Meer. Wäre ein toller Übernachtungsplatz gewesen.

Zugang zum Meer durch einige der hier befindlichen Schlüchte

Kurz vor Rerik komme ich schließlich an einer weiteren Schlucht vorbei. Hier gibt es die Möglichkeit über die Schlucht hinab an den Strand abzusteigen. Erst überlege ich es zu machen, entscheide mich dann jedoch doch für den Küstenwanderweg auf der Steilküste. Ich wohne ja nun hier, und kann jederzeit wieder vorbei kommen. Bei der Teufelsschlucht wurde der Zugang mittels Treppen realisiert, doch auch diese Schlucht lasse ich rechts liegen und laufe weiter hinab ins Ortszentrum von Rerik, wo ich meine kleine Wanderung beende. Der Ort liegt eingeklemmt zwischen Ostsee und Salzhaff, einem fast abgetrennten Teil der Mecklenburger Bucht. Mit erreichen von Rerik verwandelt sich die Küste auch wieder zu einer sanften Dünenlandschaft. Genau diese Vielfalt auf engstem Raum ist es, die ich hier so liebe.

 

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