Schöne Begegnung und auf in die Höhlenwelt

Mi., 18.07.2018
Hörschel – Eisenach – „Wutha-Farnroda“ – Thal – Kittelsthal
Kilometer: 24,7 km

Heute stehe ich erst gegen 8.30 Uhr auf. Ich muss mal wieder etwas ausschlafen! Das Zelt ist mittlerweile auch fast trocken, sodass es schon kurz nach 9 Uhr weiter gehen kann.

Zeltplatz der letzten Nacht

Ich verlasse Hörschel auf dem Radweg entlang der Hörsel. Als ich einen Mann auf der Leiter einen Apfelbaum ernten sehe, frage ich ihn, ob diese schon reif sind. An den Tagen zuvor hatte ich zwar auch immer mal wieder mein Glück versucht, aber die Äpfel haben alle noch etwas Zeit gebraucht.
Doch diese seien alle reif, meint der Mann. Sie würden daraus Most machen. Es entwickelt sich ein Gespräch über unsere Wegwerfgesellschaft, nachdem ich ihm von meinen Erfahrungen mit den Kirschbäumen erzähle. Er findet auch, diese Entwicklung sei traurig. Vor einigen Wochen hätten sie noch zwei Körbe Erdbeeren geerntet, und als die Kassiererin meinte, die Ernte ende am Wochenende, wollten sie wissen, was mit dem Rest passiert. Das wird untergepflügt, war die Antwort.

Ob ich ein paar Äpfel haben wolle, fragt mich der Mann. Und drückt mir zwei volle Hände in die Hand. Mittlerweile sind wir beim Thema Trockenheit und Waldbrände gelandet. Ich erzähle ihm vom Brocken und der vermutlichen Brandgefahr durch den Dampflokomotivbetrieb auf der Selketalbahn. Er erzählt mir daraufhin, dass sich direkt hinter ihrem Haus die älteste Bahnlinie Deutschlands befindet. Frankfurt-Eisenach-Leipzig und daher immer wieder Sonderfahrten unter Dampf stattfinden. Für ihn sei es immer eine Freude.

Ich bedanke mich für die Äpfel und laufe durch ein Wäldchen sowie an der großen Kläranlage von Eisenach vorbei. An der Bahnlinie entlang geht es nun nach Eisenach.

Liebes Geschenk eines Anwohners
Auf Waldwegen Richtung Eisenach

Plötzlich quietscht neben mir ein Rad, und ein älterer Radler hält an. Sie hätten mich gestern schon einmal überholt. Ob ich mich erinnern könne, will er wissen. Da ich mich allerdings an den Tagen zuvor auf dem Werraradweg befunden habe und unzählige Radfahrer an mir vorbeigefahren sind, kann ich mich nicht erinnern. Mittlerweile ist auch seine Frau hinter mir angekommen und fragt mich ebenfalls, ob wir uns nicht schon einmal gesehen haben.

Lioba und Eberhard erzählen mir, dass sie Radreisen durch Deutschland unternehmen. Zuletzt nach Berlin und Brandenburg. Aktuell an der Werra nach Eisenach und danach geht es hinüber in die Rhön. In Brandenburg hätten sie die Erfahrung gemacht, dass man als Radfahrer mit Gepäck oft nur seltsam angeschaut wird. Ich erzähle ihnen daher von meinen Erfahrungen aus dem Harzer Vorland. Ich bin schon mal gespannt, wie es mir dann in Brandenburg ergehen wird.

Wir wünschen uns noch eine gute Fahrt, und ich bin gespannt, ob ich die beiden in Eisenach wieder sehen werde. Eberhard hat mich mit seiner warmherzigen Art sehr an einen ehemaligen Arbeitgeber erinnert, der leider vergangenes Jahr verstarb.

Sehr sympathisch. Lioba und Eberhard

In Eisenach angekommen, ziehe ich mit meinem Wagen durch die engen Gassen. Die neue Datenschutzverordnung vermiest mir zunehmend in Städten die Lust, Bilder zu machen. Bei jedem Bild muss ich nämlich nun hingehen und schauen, ob auch jeder Kopf unkenntlich gemacht wurde. Wundert Euch daher nicht, wenn es dieses Mal nicht so viele Bilder gibt!

So kann man auch schnell seinen Wassertank befüllen
Eisenach. Auf mehr Bilder hatte ich keine Lust mehr, DSVGO sei Dank

Auch die bekannte Wartburg besuche ich dieses Mal nicht. Ich habe bei der Wärme einfach keine Lust, mehrere Höhenmeter meinen Wagen hochzuziehen! Und so eine praktische Fahrradgarage wie in Treffurt konnte ich leider nicht entdecken. Das werde ich halt ein anderes mal nachholen.

Ich verlasse daher Eisenach über Industriegebiete Richtung Osten und bemerke, wie sich die Landschaft schleichend wieder verändert hat. Die Hänge werden steiniger, aber auch flacher.

Da ist einer wütend
Moderne Solaranlagen richten sich vollautomatisch immer Richtung der Sonne aus
Die Landschaft wird flacher aber auch felsiger

Vorbei geht es an einem Apfelbaum, der seine schwere Last nicht mehr tragen konnte. Die komplette Krone hat es heruntergerissen. Überhaupt scheinen wir dieses Jahr zumindest in den nördlichen Bundesländern, in denen ich bisher unterwegs  bin, eine regelrechte Obstschwemme zu bekommen. Ob Mirabellen, Pflaumen, Äpfel oder Kirschen: Die Bäume sind voll.

Der konnte nicht mehr
Hier hat es noch Kühe auf den Weiden

Hatte ich bis Eisenach immer wieder aufgeschlossene und freundliche Menschen, die mir begegneten, getroffen, habe ich, in Wutha plötzlich das Gefühl, in einer anderen Welt angekommen zu sein.

Misstrauische Blicke verfolgen mich bei jedem Schritt. Auf freundliches Grüßen erfolgt nicht nur keine Reaktion mehr, nein, ich werde komplett ignoriert, als wäre ich Luft. Im örtlichen Supermarkt bin ich, wie in allen Wochen vorher auch, mit Wagen an der Kasse. Doch dieses Mal werden mein Wagen und ich von der Kassiererin mit einem Blick begutachtet, als hätte ich gerade den halben Supermarkt leer geräumt. Ich warte schon auf die Bitte, meinen Wagen leer zu räumen, um zu schauen, ob da irgendwas versteckt sein könnte.

Hilfe, wo bin ich hier plötzlich gelandet? An einem kleinen Bach mache ich mich auf den Weg nach Thal. An einer Bank mache ich Pause, und vorbeikommende Hundebesitzer reagieren ebenfalls auf Grüßen mit Ignorieren und stillem Vorbeihuschen. Ein Hundebesitzer scheint seinen Argwohn derart auf seinen Hund zu übertragen, dass dieser sich weigert, an mir vorbeizulaufen. Der Mann muss daher erneut an mir vorbei, den Hund einsammeln und an mir vorbei tragen. Diese Aktion wird die Vorbehalte des Mannes gegenüber dem komischen Fremden mit der blauen Karre sicherlich noch weiter befeuert haben, denke ich mir.

Ich bin regelrecht erleichtert, als mir am Ortsende von Wutha auch noch Menschen entgegenkommen, die nicht nur grüßen, sondern auch noch in der Lage sind, ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern. Aber etwas seltsam waren die Erlebnisse in diesem Ort schon!

Auf einem Radweg geht es entlang der Bundesstraße nach Thal. Dort angekommen, habe ich nun allerdings erst mal einen steilen Aufstieg vor mir. Denn ich möchte hoch zur Kittesthaler Tropfsteinhöhle. Zum Glück beschränkt sich der steile Anstieg nur auf wenige 100 m, dann stehe ich auf einem Kamm. Auf diesem geht es durch eine kleine Siedlung zu einem Restaurant.

Eine Gruppe Leute werden gerade von einem Mann im weißen T-Shirt verabschiedet. Das kann eigentlich nur Peter sein, denke ich mir. Peter ist Vereins,- und Forumsmitglied bei Outdoorseiten.net, bei dem auch ich angemeldet bin, und hat mich spontan auf meinen Beitrag hin eingeladen. Er ist zudem im Höhlenverein tätig sowie in der Bergwacht auf dem Rennsteig. Er ist bei der Stadt angestellt und führt nun schon seit vielen, vielen Jahren Besucher durch die Tropfsteinhöhle.

Mit meiner Vermutung liege ich richtig. Peter begrüßt mich, und wir ziehen uns in den Schatten schöner alter Linden zurück.

Nachdem es erst mal ein Bier gegeben hat, ziehen wir uns Helme an, und ich bekomme eine exklusive Führung von Peter in die Höhlenwelt. Die Tropfsteinhöhle wurde beim Bergbau entdeckt, daher geht es auch erst mal über 200 Stufen in die Tiefe durch einen ehemaligen Schacht. Unten angekommen, erreicht man dann die eigentliche natürliche Höhle. Ich hatte mich beim Aufstieg schon gewundert, wo hier die Höhle sein solle. Man vermutet diese in der Regel an Hängen und nicht auf dem Berg.

Im Berg sind wir praktisch die Höhenmeter, die ich zuvor hochgelaufen war, im Inneren wieder abgestiegen. Ich erfahre von Peter, dass hier früher Schwerspat abgebaut wurde, der vor allem bei der BASF Verwendung fand. Außerdem, dass sich mittlerweile selbst hier unten die Trockenheit bemerkbar macht und einige Wände nach und nach abtrocknen.

Wir sind bereit für den Untergrund
Tolle Tropfsteinhöhle
Höhle Kittesthal

Nachdem wir wieder das Tageslicht betreten haben, wirft Peter den Rost an und klärt mich auf, dass man hier in Thüringen nicht vom Grill spricht, sondern vom Rost. Und die Schweinenackensteaks, die es kurz darauf von Rosi – der benachbarten Wirtin – für den Grill gibt, nennen sich hier Rostbrätel.

Nach einem schönen Abend mit leckerem Essen und viel Gesprächsstoff, gehen wir kurz nach 23 Uhr ins Bett. Peter hat beschlossen, heute Nacht bei mir zu bleiben und hat schon seinen Schlafsack mitgebracht.  Übernachtet wird unter freiem Himmel unter den Linden. Wunderbare Gastfreundschaft die Peter hier vorlebt! Herzlichen Dank!

Schöne Abendstimmung

Ein Gedanke zu “Schöne Begegnung und auf in die Höhlenwelt”

  • Hallo Markus

    Danke, das du mich so lobend erwähnst. Wir Thüringer sind eben ein gastfreundliches Völkchen.
    Und eine Bratwurst oder ein Röstbrätl ist immer drin.
    Ich drücke dir für deine weitere Reise die Daumen. Wenn du mal Lust hast, darfst du gerne wieder kommen.

    Gruß Peter

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