Nebel, verlorene Wege und eine tolle Überraschung

Mi., 10.10.2018
Schönenberg – Rattstedt – Neunheim – Dalkingen – Weiler – Hardtbuck – Westerhofen – Kapfenburg – Beuren – Elchingen
Kilometer: 24,9 km

Als ich am Morgen aufwache, ist es natürlich mal wieder neblig. Neu ist jedoch ein kräftig blasender Ostwind. Nebel und Wind sind eine Kombination, die selten vorkommt. Meistens entsteht diese in windschwachen Wetterlagen. Dank des Windes ist auch mein Außenzelt heute nicht so klatschnass, sondern nur feucht. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass der Wind den Nebel schnell wegbläst. Scheinbar ist die Suppe heute jedoch besonders dick, denn es ist nicht einmal der Ansatz einer Sonne oder gar blauen Himmels zu erkennen! Ich starte daher heute gemütlich und komme erst gegen 10 Uhr los. Ich habe über Nacht beschlossen, nicht zurück ins Jagsttal abzusteigen, sondern mir über das Land einen Weg nach Süden zu suchen. Der Vorteil an der Topographie ist hier, dass man meist auf einer Höhe läuft, wenn man diese erst einmal erreicht hat.

Durch den Wind ist es im Nebel eisig kalt geworden. Zum ersten Mal kommt meine dünne Mütze zum Einsatz. Meine Halsschmerzen sind übrigens über Nacht verschwunden. Keine Ahnung, was das am Vorabend war. Zur Sicherheit trage ich heute jedoch mein Buff-Tuch um den Hals.

Auf dem Schotterweg geht es los

Auf einem Schotterweg gehe ich am Waldrand entlang in Richtung Osten. Nach knapp 800 m laufe ich über die Felder an die Straße. Ich folge dieser bis Neunheim, wo ich in ein großes Gewerbegebiet abbiege. Hier bekommt man wirklich alles! Ich begnüge mich mit frischem Wasser und einem Eimer Schwäbischem Kartoffelsalat, den ich hier endlich finde! Meinen Wagen hatte ich übrigens während des Einkaufs an der Information des Supermarktes abgestellt. Als ich diesen wieder abholen möchte, fragt mich die Angestellte an der Information, ob sich in dem blauen Sack eine Kletterausrüstung befinde. Ich kläre die Frau über meine Reise und den Inhalt des Sackes auf. Bald reicht eine Seite nicht mehr aus, um den vermeintlichen Inhalt meines Wagens aufzulisten. Die Frage nach einer Kletterausrüstung ist jedenfalls neu!

Kreativer Eibenschnitt 🙂

Als ich den Supermarkt verlasse, sind erste blaue Flecken im Einheitsgrau zu erkennen. Doch der Wind bläst die Lücken schnell wieder zu. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Sonne durch den Nebel hindurchbricht. Gegenüber des Gewerbegebietes entdecke ich meinen Weg, dem ich in Richtung Süden folgen möchte. Doch eine Viehweide, die durch einen Stacheldrahtzaun abgetrennt ist, verhindert den Zugang. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als der Weide ein ganzes Stück nach Westen zu folgen, bis schließlich der Weg in die Straße mündet. Auf dem Asphaltweg geht es wieder zurück. Auf der Höhe des Supermarktes biegt der Weg schließlich zum Waldrand ab. Wieder reißt die Wolkendecke über dem Gewerbegebiet auf und macht Platz für einen Flecken blauen Himmels, um kurz darauf wieder zugeweht zu werden. Aber immerhin hat sich die Nebeldecke gehoben, und am Boden kann man mittlerweile in die Ferne schauen.

Immer wieder reißt der Himmel kurz auf

Über Wiesen geht es zum Waldrand. Zahlreiche Kühe weiden hier. Die Wiese am Waldrand ist jedoch leer und auch nicht eingezäunt. Ich kürze meinen Weg daher ab. Kurz darauf stehe ich auf einem für die Schwäbische Alb typischen hellweiß geschotterten Feldweg. Diesem folge ich am Waldrand entlang in Richtung Süden. Nach Überqueren einer Zufahrt zu einem Truppenübungsplatz laufe ich auf einem Asphaltweg hinab nach Dalkingen. Nach Überqueren eines Baches verlasse ich auf einer Höhe den Ort. Auf kleinen Feldwegen steige ich zwischen Kuhweiden langsam empor nach Weiler. Im Westen hat sich mittlerweile der Nebel komplett aufgelöst. Der blaue Himmel liegt zum Greifen nahe. Doch ich befinde mich noch im Nebel. Bei meinem Abstieg ins Jagsttal reißt es dann jedoch auch auf meiner Seite immer mehr auf. Man kann förmlich zusehen, wie sich die Wolken auflösen. Nur über der Schwäbischen Alb hängen direkt an der Kante noch die Wolken. Wie ein Wasserfall kommen sie über den Höhenzug der Schwäbischen Alb hinab ins Jagsttal gestürzt, um sich dort sofort aufzulösen.

Die Albkante ist zumindest erkennbar

In der Ferne zeigt mir bereits das Schloss Kapfenburg hoch über dem Tal den Endpunkt meiner heutigen Tagesetappe durch das Jagsttal an. Doch erst einmal geht es vorbei an hübschen Weiden wie im Voralpenland auf kleinen Sträßchen in Richtung Osten. Die Landschaft hier hat mich positiv überrascht. Immer wieder erinnern mich die Hänge und großflächigen Weiden an das Voralpenland. Dabei ist dieses noch mehrere Wandertage von mir entfernt.

Erneut viele Kuh-Weiden

In Westerhofen muss ich dann Abschied nehmen von der Jagst. Einer kleinen Straße folge ich durch den Ort nach Süden. Bevor es kräftig den Berg hinauf geht, muss ich erst einmal die B29 unterqueren. Nach Überqueren einer Zugstrecke habe ich schließlich eine mächtige Steigung vor mir. Anfangs folge ich noch dem kleinen Sträßchen. Doch da auf der schmalen, recht kurvenreichen Straße ziemlich viel Verkehr ist, biege ich nach 300 m nach rechts auf einen Waldweg ab. Anfangs führt er mich nur schwach ansteigend durch den Wald. Na, da muss ja gleich etwas Deftiges kommen, denke ich mir und schaue mir noch einmal die Karte an. Laut dieser zweigt in einem Tal ein weiterer Forstweg ab, der mich dann mit kräftiger Steigung nach oben führen wird. Diesen Forstweg erreiche ich kurz darauf auch, allerdings macht er auf mich keinen gepflegten Eindruck. Und das war noch harmlos ausgedrückt! Anfangs ist im Giersch noch etwas wie eine Spur zu entdecken, doch dann stehe ich kurz darauf im Unterholz: Ein wirklicher Weg ist nicht mehr zu sehen. Der Giersch, der hier wächst, reicht mir bis an die Kniekehle. Umdrehen kommt für mich jedoch nicht in Frage. Ich bahne mir einen Weg durch das Wildkraut, überwinde einzelne umgestürzte dünne Bäumchen und arbeite mich so immer weiter den Berg hinauf. Als der Giersch verschwindet, befinde ich mich an einer Stelle, wo laut Karte der Weg eine Kehre machen soll. Zu sehen ist davon natürlich auch hier nichts im Gelände! Ich beschließe daher, der Schneise vor mir weiter geradeaus steil den Berg hinauf zu folgen. In einer Art Hohlgasse ziehe ich den Wagen hinter mir her. Immer wieder müssen alte umgestürzte Bäume überwunden werden. Mittlerweile schockt mich jedoch wirklich nichts mehr! Auch als ich kurz darauf auf einer Steinhalde die letzten Meter fast im 45°-Winkel hinauf zum Waldrand auf allen Vieren hochrobbe, bin ich völlig entspannt. Ich habe mittlerweile einfach schon zu viele Situationen mit meinem Wagen erlebt! Mittlerweile kann ich einschätzen, was machbar ist und was nicht.

Ich bin mal wieder auf der Suche nach dem Weg

Am Waldrand stehe ich plötzlich mitten auf einer Viehweide. Diese ist jedoch nicht in Benutzung und daher auch nicht eingezäunt. Ohne Probleme komme ich daher zum Feldweg, auf dem ich eigentlich regulär hätte hochkommen müssen.

Weit habe ich es nicht mehr hinauf!
Aus dem Waldrand rechts bin ich gekommen

Dieser führt mich wieder zur Straße, die ich zuvor verlassen hatte. Knapp 100 Höhenmeter höher als zuvor, laufe ich die letzten 100 m auf der Straße zum Schloss Kapfenburg. Nach Überqueren einer größeren Landstraße stehe ich schließlich vor dem beeindruckenden Gebäude. Natürlich nutze ich die Chance und besichtige auch das Schloss, soweit es möglich ist. In dem Schloss ist die internationale Musikschulakademie untergebracht. Entsprechend hört man auch immer wieder aus den Fenstern klassische Musik.

Das Schloss Kapfenburg

Ursprünglich hatte ich vor, über die Domäne Kapfenburg – ein Gehöft gegenüber des Schlosses – in Richtung Süden zu laufen. Doch wie es sich herausstellt, handelt es sich bei dem Gehöft um eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall. Häftlinge arbeiten hier im offenen Vollzug tagsüber auf dem Hof und werden abends wieder eingesperrt. Das funktioniert natürlich nur mit Häftlingen, von denen keine Gefahr und Fluchtgefahr ausgeht. Auf jeden Fall ist mir dieser Weg versperrt! Ich laufe daher entlang der größeren Landstraße bis an den Ortsrand von Hülen.

Hier komme ich nicht weiter: Außenstandort der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall.

Hier kann ich schließlich nach links abbiegen und stoße kurz darauf auch wieder auf den von mir geplanten Weg. Über Wiesen und Felder geht es auf einem Schotterweg zum Waldrand. An einer uralten Hainbuche mit Bank, mache ich meine Mittagspause und nutze die Sonne, um mein Außenzelt zu trocknen.

Tattaaa, da ist er: Der lang gesuchte Kartoffelsalat!

Nach etwas mehr als einer Stunde gehe ich weiter. Mein Weg führt mich in ein wunderschönes Tal durch den Wald. Kein Gewässer fließt durch das Tal, dennoch zieht sich wie ein grünes Band eine Wiese entlang des Weges mitten durch den Wald. Dieser besteht mehrheitlich aus Fichten, zur Wiese hin stehen jedoch auch einige Buchen und Eichen. Immer weiter folge ich dem Band in Richtung Süden.

Entlang eines grünen Bandes durch den Wald

Als das Tal einen Knick nach rechts macht, geht der Schotterweg in Asphalt über. In weiten Kurven führt mich der Weg auf einer Höhe durch die hügelige Landschaft. Nach Überqueren einer Landstraße geht es auf einer Höhe weiter zum Naturschutzgebiet “Dellenhäule”. Zahlreiche Wacholderbüsche wachsen hier auf einer für die Schwäbische Alb typischen Wiese. Viele Ameisenhaufen haben die Wiese in eine Buckelpiste verwandelt, was vor allem gegen das Licht sehr imposant aussieht.

Naturschutzgebiet “Dellenhäule”

Auf einem Asphaltweg verlasse ich das Tal auf eine Anhöhe, wo sich weite Ackerflächen breit machen. Bis zu meinem angedachten Etappenziel ist es nicht mehr weit. Als ich an einer Ahornhecke mit einer Bank vorbeikomme, mache ich mir noch keine großen Gedanken. Doch nach 100 m beschließe ich, dorthin zurückzukehren. Der Platz mit seiner herrlichen Sonnenlage ist einfach perfekt als Übernachtungsplatz! Der ursprünglich geplante Platz würde nämlich in einer Talsenke liegen, was Schatten und Nässe bedeutet.

Nicht geplant, aber zu schön. Hier bleibe ich!

Während ich mein Zelt aufbaue, setze ich mich immer wieder auf die Bank und genieße die Sonne. Als zwei Jogger vorbeikommen, entwickelt sich ein Gespräch, und ich erzähle ihnen von meiner Reise. Die beiden finden das großartig. Ich gebe ihnen eine Visitenkarte mit und mache mich weiter an den Aufbau. Auch mein Schlafsack kann in der Sonne mal wieder schön durchtrocknen. Leicht klamm ist er nämlich schon nach dem Nebel der letzten Tage. Bis zum Sonnenuntergang sitze ich auf der Bank und fertige meinen Bericht an. Als ich gerade im Zelt verschwinden will, kommt ein Auto angefahren und hält vor meinem Zelt. Ich rechne schon damit, von einem Jäger auf meinen Schlafplatz angesprochen zu werden. Doch es ist Lothar, einer der beiden Jogger von vorhin. Er hat mir eine Thermoskanne Kaffee, eine Tasse mit Würfelzucker, ein Radler sowie Brot und Wurst mitgebracht. Ich bin baff und geplättet! Was für eine nette Geste! Ich bin sehr erfreut, auch in meinem Heimatland eine solche Herzlichkeit zu erfahren! Ich bedanke mich bei Lothar, der sich daraufhin wieder auf den Weg macht. Vielen, vielen lieben Dank! Der warme Kaffee tut richtig gut bei der sich langsam wieder entwickelnden Kälte!

Und dann kam die Mega-Überraschung: Vielen lieben Dank!

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