Auf den Spuren von Friederike

Mi., 4.07.2018
Domäne Stiege – Hasselfelde – Königshütte – Elend – Schierke
Kilometer: 27,5 km

Heute wache ich erst gegen 8.30 Uhr auf. Du meine Güte, so spät bin ich noch nie aufgestanden! Ich lasse – wie jeden Morgen – die Luft aus der Matratze und packe den Schlafsack ein. Dann mache ich mich müde auf den Weg zum Bad. Die Wäsche ist über Nacht trocken geworden. Nachdem ich mich frisch gemacht habe, beginne ich langsam das Zelt zusammen zu packen.

Übernachtungsplatz auf dem Campingplatz

Bevor ich aufbreche, verabschiede ich mich noch kurz von Steffi und laufe über Wiesenwege zurück nach Hasselfelde. Der Brocken und der Wurmberg bei Braunlage liegen heute prima vor mir.

Da geht es heute hin

In Hasselfelde durchquere ich zielstrebig den Ort und verlasse diesen in Richtung Hasseltal. Anfangs geht es noch auf einem Schotterweg voran, doch recht bald biegt nach rechts ein schöner Wiesenpfad Richtung Hasselsee ab.

Über Wiesenwege geht es voran

Überall weisen Schilder darauf hin, dass es sich hier um Trinkwasserschutzgebiet handelt und daher Baden nicht erlaubt sei. Kurz bevor der schmale Pfad wieder auf einen Forstweg mündet, überquere ich ein Gebiet, das vom Orkan Friederike übel zugerichtet worden ist. Da steht so gut wie kein Baum mehr. Abgebrochene Stämme, Wurzelteller und jede Menge Fichtengrün säumen den Weg. Ein Glück, dass ich überhaupt durchkomme! Ich frage mich, wie es sein kann, dass hier flächendeckend alles niedergemäht wurde, und nur wenige Meter weiter steht Baum an Baum.

Hier steht wirklich nichts mehr

Auf einer kleinen Forststraße geht es nun entlang am schönen See. Anfangs noch ebenerdig, zieht die Straße jedoch schon bald recht deftig an. Vorbei komme ich an einem großen Bienenhotel. Ein Bauwagen informiert darüber, dass hier donnerstags immer Honig verkauft wird. Schade, ich bin leider einen Tag zu früh dran.

Bienenhotel der größeren Art

Der Weg wird nun geprägt von einem für Fichtenwälder eher untypischen lichten Wald. Mit der Folge, dass hier nun sogar allerhand Gräser und kleinere Sträucher eine Chance haben zu gedeihen. Das gefällt mir sehr gut! Der Harzer Hexenstieg läuft nun geradeaus weiter, hin zur oberen Rappbodetalsperre. Nach meiner Karte werde ich dort jedoch im späteren Verlauf mit meinem Wagen nicht mehr weiter kommen. Ich wähle daher den Weg nach rechts und folge einer weiteren Forststraße durch den Wald. Kurz vor der oberen Rappbodetalsperre treffe ich auch wieder auf den Harzer Hexenstieg. Die Entscheidung war goldrichtig. Der Weg, der hier auf meine Forststraße zustößt, ist steinig und unwegsam. Eigentlich ein toller Wanderweg, genau nach meinem Geschmack, aber mit dem Wagen muss ich eben Einschnitte hinnehmen. Zumal sich auf so einer Reise auch die Ansprüche verändern. Mir ist es unzählige Male lieber, einen gut befahrbaren Weg unter meinen Füßen zu haben,  als eine Holperpiste, auf der ich mehr damit beschäftigt bin, den Wagen unter Kontrolle zu halten. Ich bin größtenteils abseits der Autostraßen unterwegs,  gehe Wege, die immer noch wild sind, und kann die Natur und alles andere am Wegrand genießen. Was will man mehr! Alle anderen Pfade kann ich auch ein anderes Mal ohne Wagen, oder aber während der Tour, als Rundtour machen.

Hielt brav still für das Foto

Nachdem ich bei der Rappbodetalsperre mal wieder stempeln konnte, geht es nun in einer weiten Schleife – zu meinem Leidwesen in voller Sonne – den Berg hinauf. Doch oben habe ich ausreichend Höhe gemacht, um nun mehrere Kilometer auf mehr oder weniger einer Höhe voran zu kommen.

Schwalbenschwanz

An einer Kreuzung macht gerade ein LKW mit großen Containern Halt. Mitten im Wald auf einem Forstweg! Was der hier wohl möchte? Ich lasse ihn links liegen und bin keine 300 m weit gekommen, da lässt lautes Rumpeln hinter mir schon Ungutes erwarten. Der LKW folgt mir. Ich verlasse mit meinem Wagen die staubige Piste und mache dem LKW Platz. Immerhin fährt er an mir langsam vorbei, um so möglichst wenig Staub aufzuwirbeln. Doch kaum ist er vorbei, gibt er Gas und verschwindet in einer dicken Staubwolke um die Ecke. Ich begebe mich wieder auf den Weg und komme erneut keine 300 m weit. Nun kommt von vorne plötzlich ein LKW. Dieses Mal ein Holztransporter. Ja, bin ich hier auf der Forstautobahn gelandet? Wieder mache ich neben dem Weg Platz und warte anschließend noch etwas, bis sich der gröbste Staub gelegt hat. Ich bin mal gespannt, wie viele LKWs mir hier noch begegnen werden.

Doch ich habe Glück, die folgenden Kilometer habe ich für mich allein. Mittlerweile geht es deutlich abwärts. Ein Zeichen, das wohl bald die warme Bode und damit auch Königshütte erreicht ist. Kurz vor Königshütte lacht mich plötzlich ein Schild an. 300 m rechts den Berg hoch, und der nächste Stempel wartet. Ich muss gar nicht lange grübeln, was ich machen soll. Der Weg ist viel zu steil und felsig, um da mit dem Wagen hoch zu kommen. Aber den Stempel hätte ich dennoch gerne, da ich damit die silberne Nadel erreicht habe! Ich stelle daher den Wagen kurzerhand einfach neben dem Pfad ab. Wer soll den schon klauen?

Steil geht es in Serpentinen den Berg hoch. Oben angekommen, hat man einen tollen Blick Richtung Brocken. Der Gipfel ist jedoch nicht zu sehen. Nur die Türme lugen hinter einem anderen Hügel hervor. Und wo ist nun der Kasten? Ich schaue mich um, aber ich finde nichts. Bis ich weiter entfernt das Gemäuer einer ehemaligen Burg erblicke. Wahrscheinlich wird er dort sein. Und tatsächlich finde ich ihn dort auch. Ab sofort bin ich, wenn auch noch inoffiziell, mit der silbernen Wandernadel unterwegs. Zurück geht es den schmalen Pfad. Der Wagen steht natürlich noch da.

Schönen Blick auf den Brocken

Durch Königshütte geht es entlang der Bundesstraße B27. Der Hexenstieg führt eigentlich am anderen Ufer der kalten Bode entlang. Aber dieser ist für meinen Wagen nicht machbar. Das Stück im Ort ist aber auch nicht schlimm.

Als ich um die Ecke komme, erblicke ich einen alten Bekannten. Keinen Mensch, nein ein Wasserfall! Am Königshütter Wasserfall waren Katharina und ich vor noch gar nicht allzu langer Zeit als Tagesausflug. Und daher weiß ich auch, wo hier der nächste Stempel zu finden ist. Ich parke meinen Wagen am Fuße des Wasserfalls und steige einen schmalen Bergpfad zum Stempelkasten auf der Anhöhe auf. Der Wasserfall ist nur noch ein trauriges Rinnsal. Im Vergleich zum letzten Mal hat es hier oben einige Fichten umgeworfen. Dies kann jedoch nicht von Friederike sein, da wir nach dieser vor Ort waren. Ich vermute daher, dass diese Bäume bei dem Sturm vor zwei Wochen ihr Leben ließen.

Am Ende von Königshütte verlasse ich wieder die B27 und laufe durch ein schönes Waldtal mit viel Ahorn leicht bergauf. Als mich der Weg nach links über eine kleine Brücke mit Stufe führt, beschließe ich aufgrund des niedrigen Wassers lieber zu furten.

Ich nehme lieber die Furt

Nachdem es wieder gut bergauf geht, verlasse ich den Hexenstieg nach 500 m und laufe wieder Richtung Bundesstraße. Ein schöner Wiesenweg ermöglicht mir das. An der Bundesstraße muss ich zum Glück nur wenige Meter entlang, da ich einen Schotterweg hinab zur Mandelholztalsperre nehmen kann. Schon eine seltsame Vegetation am Ende so einer Talsperre bei Trockenheit! Eine Familie planscht in der kalten Bode und baut Staudämme. Mich hingegen führt ein schöner Waldweg immer entlang an der kalten Bode Richtung Elend. Den Ort durchquere ich kurz, um nun weiter an der kalten Bode auf Schierke zu zu marschieren. Kurz vor Schierke kommt erneut eine große Fläche umgestürzten Waldes. Ich vermute, hier war wieder Friederike am Werk.

Und wieder Friederikes Werk

In Schierke hole ich mir im Supermarkt erst mal drei Liter Wasser. Seit Hasselfelde bin ich an keinem einzigen Supermarkt mehr vorbei gekommen. Im Kurpark mache ich es mir auf der Bank vor einer Hainbuchenhecke bequem und beginne den Tagesbericht anzufertigen. Ein Fuchs läuft nur wenige Meter an mir vorbei und verschwindet in einer Hecke.

Leider nerven recht bald wieder jede Menge Kriebelmücken. Ich packe mich dick ein und versuche, mich so vor den Biestern zu schützen, denn mein Anti-Mückenspray scheint diese nicht zu beeindrucken.

In wenigen Stunden werde ich dann Richtung Brocken losziehen. Ich hatte ein paar Tage zuvor die Nationalparkverwaltung angeschrieben und gefragt, ob gegebenenfalls das Biwakieren in Gebäudenähe erlaubt ist. Doch bis auf das Brockenhotel ist das Übernachten jeder Art auf dem Gipfel verboten. Auch in Gebäudenähe. Und daran möchte ich mich auch halten. Eine Anfrage beim Brockenhotel ergab die Information, dass der günstigste Preis bei 80 € liegt und zudem um eine vorherige Reservierung gebeten wird. Das ist für mich weit über meinem Budget! Ich hatte daraufhin den Brocken schon als nicht möglich abgehakt. Bzw. schon möglich, aber nicht zum Sonnenaufgang. Bis mir die Idee kam, warum ich es hier nicht genauso handhabe wie bei meinen anderen Bildern von Sonnenaufgängen auf Gipfeln. Nämlich noch im Dunkeln loszugehen, um zum Sonnenaufgang oben zu sein. Das ist nach meinem Wissen auch nicht verboten. Im Nationalpark Berchtesgaden brechen regelmäßig mitten in der Nacht Kletterer auf, um den Watzmann zu besteigen. So unterschiedlich können die Regeln innerhalb der Nationalparks nicht sein.

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