Jede Menge Sand und legales Wildcampen

Do., 09.08.2018
Waldesruh – Friedrichshagen – Erkner – Gottesbrück – Schmalenberg – Mönchwinkel – Große Tränke
Kilometer: 33,7 km

Meine Nacht im Keller ist um 5 Uhr vorbei. Der Wecker klingelt. Ich fange auch sogleich, alles an einzupacken. Heute soll es wieder heiß und gewittrig werden, da möchte ich die frische Morgenluft nutzen.

Ein Geschenk meiner Gastgeber: Äpfel von ihrem Apfelbaum. Herzlichen Dank!

Ich verlasse den Ort Richtung Westen. Vorbei geht es durch ein Wohnviertel, das ziemlich bewaldet ist. Wie vor wenigen Tagen wachsen auch hier Kiefern in den Gärten. Mir gefällt eine solche Wohnlage. Es hat etwas von Urlaub am Mittelmeer! Über schmale, sandige Wege verlasse ich den Ort, und es geht durch ein kleines Waldviertel. An der Landstraße halte ich mich geradeaus und betrete das nächste Waldstück. Wie am Vortag sind hier die Wege kerzengerade angelegt. Ich biege jedoch recht bald nach rechts ab und nehme einen Weg einen Block weiter. Ab nun geht es erneut eine längere Strecke nur noch geradeaus. Aber immerhin nun im Wald. Überhaupt könnte der Kontrast zu gestern nicht größer sein! Gestern kilometerlang nur Häuserschluchten, dazu eine unerträgliche Hitze. Heute fast nur Wald und Schatten, und die Temperaturen liegen nach dem Gewitter auch auf einem anderen Niveau.

Auf breiten Waldwegen geht es durch den Wald

An einer Bank beschließe ich, Pause zu machen. Leider war mal wieder jemand nicht im Stande, seinen Müll einzupacken. Offene Chipstüten und anderer Müll liegen rund um die Bank herum. Unter anderem auch eine leere Mineralwasserflasche mit 25 Cent Pfand. Die stecke ich ein. Immerhin 25 Cent! Ich hatte schon Tage, da hat wegen 2 Cent der Kauf eines weiteren Artikels nicht gereicht, da sind 25 Cent viel Geld für mich! Ich merke, wie mich die Reise immer mehr selbst die kleinsten Dinge wertschätzen lässt. Eigentlich sollte so eine Auszeit unter diesen Bedingungen einmal im Lehrprogramm für jeden Schüler sein, überlege ich. Dann würde vielleicht eine Generation heranwachsen, die wieder die Güter unserer Gesellschaft mehr zu schätzen lernt.

An einer kleinen Straße entlang, erreiche ich schließlich den Bahnhof Rahnsdorf. Lautes Getute hat es bereits auf den letzten Kilometern angedeutet: Hier wird mächtig gebaut. Auch ein großer mobiler Kran wartet auf seinen Einsatz. Sonst sind sehr viele Bagger auf den Schienen unterwegs. Ich folge der Bahnstrecke Richtung Osten auf kleinen Schotterwegen. Vorbeifahrende Züge werden automatisch durch ein Zugwarnsystem akustisch wie auch visuell angekündigt. Wie eine Kettenreaktion hört man von der Ferne aus die Alarmtöne näherkommen, bis schließlich neben einem in ohrenbetäubender Lautstärke der Alarm los geht. Eine ganze Weile verfolge ich das Spektakel an meiner Seite, doch dann biege ich auf einen sandigen Weg ab, der mich von der Bahnstrecke weg, in eine Hügellandschaft führt.

Eine ganze Weile geht es an der Bahnstrecke entlang.

Stellenweise komme ich mir vor wie in den Dünen am Meer, nur dass hier sehr viele Kiefern wachsen. Ein Blick in die Karte verrät mir, dass ich mit den Dünen gar nicht mal so falsch liege: Ich befinde mich im Woltersdorfer Dünenzug. Trotz des feinsandigen Bodens komme ich erstaunlich gut mit meinem Wagen voran. Offenbar befindet sich unterhalb des Sandes eine recht dichte und kompakte Bodenschicht. Kurz vor Erreichen von Erkner steht mir plötzlich in ca. 100.m Entfernung ein Keiler im Weg. Gemütlich schlendert er vor mir den Weg entlang und verschwindet schließlich im Dickicht rechts von mir. Mich hat er bis dahin nicht bemerkt. Ich setze vorsichtig meinen Weg fort. Immer in der Erwartung, auf weitere Schweine zu treffen. Doch es bleibt ruhig.

Es geht hinauf und hinunter

In Erkner angekommen, mache ich mich auf die Suche nach einem Supermarkt. Laut Karte ist es heute die letzte Möglichkeit für mich, einzukaufen. Danach folgt nur noch Wald und Natur. Lange suchen muss ich jedoch nicht. Erkner bietet mir eine reiche Auswahl an Supermärkten. Ich entscheide mich für das Kaufland, da ich hier WLAN vermute und ich noch die neuesten Berichte hochladen möchte. Das Netzwerk von Kaufland funktioniert jedoch nicht, was aber nicht schlimm ist, da sich in dem Einkaufscenter noch weitere Geschäfte befinden, die wiederum ein Netzwerk anbieten. So sitze ich schließlich über eine Stunde auf einer Bank im Supermarkt und lade die Bilder und Beiträge hoch. Ich bin gerade am letzten Beitrag, da bricht mir das Netz zusammen. Ich habe mein Limit bei diesem Anbieter für heute erreicht. Und die anderen Anbieter haben offenbar Probleme. Ich bekomme keine mehr Verbindung zustande. Dann muss ich es eben ein anderes Mal versuchen.

Ich beschließe, die gefundene Pfandflasche abzugeben und mache mich auf den Weg zu den Automaten. Neben den Kassen hat sich eine sehr, sehr lange Schlange gebildet, und ich gehe im ersten Moment davon aus, dass es hier etwas umsonst gibt. Als ich weiter vordringe, muss ich jedoch feststellen, dass es sich hierbei um die Schlange für den bzw. die Automaten handelt. Ach, du Schande, was ist denn hier los? So etwas habe ich in dieser Ausprägung auch noch nicht erlebt. Ich packe die Flasche wieder ein und beschließe, einen anderen Supermarkt aufzusuchen. Hier stehe ich ja noch in einer Stunde an.

Am nächsten Supermarkt angekommen, fällt mir vor dem Gebäude eine junge Frau auf, die strahlend in einen Schokokeks beißt. Sie strahlt den Keks an, als ob er ihr soeben einen Heiratsantrag gemacht hätte. Also entweder hat sich die Gute irgendwas eingeworfen, oder sie freut sich wirklich so sehr auf das zu erwartende Geschmackserlebnis. Ich überlege, ob ich wohl mittlerweile genauso ausschaue, wenn ich ein Eis oder andere leckere Sachen esse. Als ich jedoch wenig später den Supermarkt verlasse, hat das Strahlen der jungen Frau Ausmaße angenommen, die auf ein eventuelles Geschmackserlebnis nicht mehr zurück zu führen sind. Als ob der Messias mit ihr persönlich gesprochen habe, so strahlt sie in den Himmel. Da werden wohl doch irgendwelche Drogen im Spiel gewesen sein, denke ich mir und laufe weiter.

Erkner verlasse ich nach Überqueren der Bahnschienen Richtung Osten und mal wieder durch den Wald. Anfangs noch auf Betonplatten, im weiteren Verlauf auf Schotterwegen, überquere ich die A10. An einem überdachten Rastplatz mache ich schließlich Pause und esse zu Mittag. Weiter geht es durch den Wald, bis ich schließlich eine Landstraße erreiche. Ursprünglich war mein Plan, dieser nach rechts zu folgen, doch nach einem Blick auf die Karte, entdecke ich auch an dem Waldweg geradeaus einen Bahnübergang über die Schienen. Der Weg hätte für mich den Vorteil, dass ich weiter im Schatten liefe. Ich bin mir nur unsicher, ob der Bahnübergang wirklich existiert. Ein Bahnübergang nur für Wanderer mitten im Wald, kommt mir bei der hochfrequentierten Bahnstrecke etwas seltsam vor. Aber nun gut, ein Versuch ist es wert!

Schöne Waldwege Richtung Osten

Ich überquere die Straße und folge einem Schottersträßchen durch den Wald. Briefkästen an der Straße zeigen an, dass hier irgendwo im Wald noch Wohnhäuser sein müssen. Auch die Karte zeigt auf einer Lichtung Wohngebäude an. Wer dort wohnt, muss ja wie in Skandinavien auf einer Hütte leben, denke ich mir. Immer weiter schlängelt sich das Schottersträßchen in den Wald. Nur Holzstrommasten an der Seite, erinnern daran, dass hier bald Gebäude erscheinen werden. Und tatsächlich, nach einigen Kilometern sind im Wald erste Häuser auf einer Lichtung zu entdecken. Ich laufe jedoch geradeaus an dem kleinen Ort vorbei, immer an der Bahnlinie entlang. Mit jedem Güter- und Personenzug werde ich skeptischer. Also eventuell ist da eine Unterführung, aber doch niemals ein Bahnübergang! Ein einfacher Übergang wie bei Kleinstrecken wird in Deutschland aus Versicherungsgründen bei einer so großen Bahnlinie sicherlich auch nicht erlaubt sein. In wenigen Metern werde ich es sehen. Und dann taucht er wirklich vor mir auf: Ein beschrankter Bahnübergang mitten im Wald an einem Wanderweg. Mit Rotlicht! Also das hätte ich hier nicht vermutet! Ich überquere die Bahnlinie und halte kurz darauf an. Das möchte ich jetzt sehen, ob der wirklich funktioniert. Lange muss ich nicht warten, die Lampen blinken rot und die Schranken senken sich. Nur einen akustischen Warnton kann ich nicht vernehmen. Irre!

Ein Bahnübergang mitten im Wald

Ich setze meinen Weg nach Überqueren einer Landstraße fort. Immer geradeaus geht es nach Mönchwinkel. Hier stoße ich auch zum ersten Mal an diesem Tag auf die Spree. Ruhig schlängelt sie sich durch ein hübsches flaches Tal. Schön ist es hier!

Das Spreetal ist erreicht
Gemütlich fließt hier die Spree durch die Landschaft

Einige Meter weiter, werde ich von einem älteren Mann angesprochen, der im Vorgarten gerade dabei ist, einen Sonnenschirm aufzubauen. Wo es denn heute hingeht, will er wissen. Ich nenne ihm Fürstenwalde als Ziel. “Und wo bist du gestartet?” will er wissen. Ich nenne den Stadtrand von Berlin, da mir der genaue Stadtteil spontan nicht einfällt. Ah, Erkner, meint der Mann. “Nee!” entgegne ich. “Ein ganzes Stück weiter” und ich nenne ihm den Ortsnamen, der mir wieder eingefallen ist. Der Mann ist erstaunt. Da bist du ja schon ein ganzes Stück vorangekommen, meint er. Er beginnt daraufhin, mir im Detail zu erklären, wie ich nun am besten weiter laufen soll. Nicht die Variante, die ich heraus gesucht habe, denn da soll sich eine Dünenlandschaft im Wald befinden, in der ich mit meinem Wagen kaum durchkomme, erklärt er mir. Selbst mit Ballonrädern hat man es da sehr, sehr schwer. Ich soll am besten das Küchengestell nehmen, sagt er. Er registriert meinen fragenden Blick und lacht. Früher gab es einen alten Vierseitenhof auf der gegenüber liegenden Seite der Spree. Der Förster, dem der Hof gehörte, hatte sein Küchenfenster genau gegenüber der Hofeinfahrt und hatte von dort aus beste Sicht, wer da mit der Kutsche zu Besuch kam. Daher heißt die kerzengerade Strecke heute Küchengestell. Den Hof gäbe es leider nicht mehr. Ich bedanke mich für die zahlreichen Tipps und beschließe, dem Mann zu vertrauen. Auf Einheimische sollte man hören. Ich schlage daher nach Überqueren der Spree die entgegengesetzte Richtung als ursprünglich geplant ein und komme im Verlauf auch an den beschriebenen Merkmalen vorbei, die mir der Mann genannt hat. Schließlich bin ich tatsächlich auf dem Küchengestell unterwegs. Der Weg lässt sich gut fahren, und rechts von mir sehe ich die beschriebenen Dünenzüge. So ganz verschont werde ich davon auch nicht, und ich muss ein Stück die Hügel hinauf und hinunter. Der Sand liegt zum Teil 30 cm tief locker vor mir. Ein Vorankommen ist nur sehr mühevoll. Gut, dass ich auf den Mann gehört habe. Auf dem ursprünglichen Weg wäre ich vermutlich kaum voran gekommen!

Der Kiefernwald gefällt mir hier sehr gut
Und ich bin Richtig. Wie beschrieben auf dem Küchengestell

Kilometerlang geht es durch den Wald. Plötzlich ändert sich die Wegbeschaffenheit schlagartig. Forstmaschinen haben den sandigen Untergrund aufgerissen. Der eigentlich gute Weg verwandelt sich in eine feine Sandpiste, mit den entsprechenden Folgen. Habe ich schon mal gesagt, dass ich diese Maschinen verabscheue? Ja, das habe ich, und ich kann es auch immer wieder nur wiederholen!

So sehen Waldwege aus, wenn sie von Forstmaschinen benutzt wurden

Schließlich habe ich es aber geschafft und stehe an meinem Schlafplatz für die Nacht, den ich mir auf der Karte herausgesucht habe. Ein Rastplatz mit großer Hütte. Völlig perplex bin ich allerdings, als ich ein Schild registriere, das den Platz zum ersten Mal auf meiner Tour auch von Behördenseite aus zum legalen Wildcampen frei gibt. Also Brandenburg gefällt mir!

Na, daran könnten sich andere Bundesländer mal orientieren.

Da für den Abend schwere Gewitter angekündigt sind, inspiziere ich die Hütte. Notfalls werde ich dort Zuflucht suchen müssen. Mein Zelt baue ich zunächst noch nicht auf. Notfalls werde ich hier drinnen übernachten müssen. Ich gehe kurz darauf zur Spree, um mich ausgiebig waschen. Das Wetter war zwar heute deutlich erträglicher als am Vortag, aber verschwitzt bin ich trotzdem.

Meine Unterkunft für den Notfall

Als sich auch nach längerem Warten keine Wetterverschlechterung ankündigt, baue ich schließlich neben der Hütte mein Zelt auf. Es ist zwar Richtung Westen dunkler geworden, aber trotz beginnender Dämmerung ist nicht einmal Wetterleuchten zu erkennen. Auch das Radar zeigt eine tendenziell eher vorbeiziehende Gewitterfront an. Kurz vor dem zu Bett gehen setzt dann Richtung Westen doch Wetterleuchten und auch Donnerrollen ein. Außerdem hat ein kräftiger Wind eingesetzt. Aber nach einigen Böen reißt der Himmel wieder auf, und auch das Wetterleuchten im Westen hat wieder nachgelassen. Das Spiel wiederholt sich am Ende mehrmals. Die Gewitter schaffen es jedoch bis auf die Winde nicht hier her. Es fällt auch kein Regen, von ein paar Tropfen abgesehen. Ich rufe Katharina an, und wir telefonieren noch eine Weile. Auch sie kann mich entwarnen: ich liege für die Wetterfront zu weit östlich, und die Südspitze verkümmert immer mehr. Nachdem wir uns verabschiedet haben, gehe ich bei mittlerweile angenehmeren Temperaturen ins Bett.

4 Gedanken zu “Jede Menge Sand und legales Wildcampen”

  • Hey, du Wanderer mit dem Sackkarren, du bist aber kein Wasserwanderer und mit Radwanderer ist wohl auch eher das Fahrrad gemeint. 😉 In Island hatten wir letztes Jahr auch solch einen Platz mit Freigabe zum Wildzelten gefunden.
    Ich fordere demnächst mal einen Tag mit detaillierten Bilder von allem was du den Tag über isst! 😉 Bitte aber einen üblichen Standardtag nehmen und nix spezielles…

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