Gaudi in Skerbersdorf

Sa., 18.08.2018

In der Nacht ziehen tatsächlich Gewitter auf. Leichtes Donnergrollen ist zu hören, und im Westen zucken die Blitze. Wind setzt ein, der immer böiger wird. Ich stehe mit meinem Zelt in unmittelbarer Nähe zum Waldrand und höre jedes Mal die nächsten Böen heranrollen. Sorge bereiten mir die ganzen Pavillons und das aufgebaute Festzelt. Hoffentlich fliegt da nichts weg! Das wäre für das Fest morgen ja eine Katastrophe! Ich rufe das Niederschlagsradar auf und sehe im Südwesten eine kräftige Gewitterlinie aufziehen. Na, da steht mir ja gleich noch etwas bevor. Zum Glück habe ich die Möglichkeit, im Notfall in das Sanitärgebäude zu flüchten. Ich döse wieder ein und wache gegen 3 Uhr wieder auf. Immer noch ist im Westen das Zucken von Blitzen zu beobachten, nun jedoch etwas nördlicher, und auch der Wind hat stellenweise Sturmstärke, wenn auch nur in Böen. Ein Blick auf das Radar verrät, dass die Front wohl, wie schon in Brandenburg, an mir vorbeiziehen wird. Hier kommt scheinbar nur der Wind an. Um kurz vor vier Uhr nimmt dieser dann schon bedenkliche Ausmaße an. Man hört zum Teil nicht einmal mehr das Flattern der Festzeltplane am anderen Ende des Platzes, weil die Böen in den Bäumen lauter sind. Unten am Boden kommt jedoch zumindest in meiner Ecke erstaunlicherweise nicht so viel davon an. Mein Zelt steht die meiste Zeit still. Es kann natürlich auch sein, dass mich der angrenzende Wald etwas schützt, und es wenige Meter weiter auf dem offenen Platz ganz anders aussieht. Ich schlafe wieder ein und wache erst gegen 10 Uhr wieder auf. Deutlich kühleres Wetter und eine gute Standortwahl im Schatten des Waldrandes machen es möglich.
Nachdem ich mich gewaschen habe, mache ich es mir an einer der vielen Sitzbänke am Schwimmbad bequem, beobachte das Treiben und fertige nebenher die letzten Berichte an. Als kurz darauf Maik um die Ecke kommt, frage ich ihn, ob es in der Nacht Schäden durch den Sturm gegeben hat. Doch zum Glück blieb alles heil. Der Nachbar habe jedoch nachts um 4 Uhr draußen gestanden und das Festzelt festgehalten, erzählt er mir.
Ich bin gerade dabei, die letzten Bilder zu komprimieren, da kommt ein weiteres Vereinsmitglied auf mich zu und befragt mich zu meiner Reise. Auch er erzählt von dem Wanderer, der vor mehreren Jahren hier halt machte und sich auf einer ähnlichen Tour befand wie ich. Ich erfahre zudem, dass der Verein derzeit ca. 40 Mitglieder hat, wovon etwas mehr als 20 aktiv sind und somit solche Veranstaltungen wie heute ermöglichen. Ich biete erneut an, dass ich gerne mit anpacken kann, falls noch irgendwo Hilfe beim Aufbau benötigt wird.
Nach und nach wird das Gelände immer voller. Zahlreiche Kinder sind unterwegs. Das Vereinsgelände scheint auch unabhängig von der Veranstaltung der zentrale Punkt am Ort zu sein, wo man sich trifft. Von einem anderen Vereinsmitglied hatte ich zuvor schon erfahren, dass mittlerweile auch die Leute aus den umliegenden Orten nach Skerbersdorf kommen. Ein Schwimmbad hat heutzutage in dieser Region kaum mehr ein Ort, weil es zu teuer für die Gemeinden ist. Eine entsprechende Sogwirkung hat das kleine Bad.

Noch ist alles leer. Die Ruhe vor dem Ansturm!
Die Hüpfburg steht. Das Festzelt auch. Die Gäste können kommen!

Gegen 15 Uhr beginnt dann das Programm für die Kleinen: Ponyreiten auf dem Fußballplatz und Seifenblasen schwingen. Auch eine große aufblasbare Hüpfburg sorgt für viel Freude! Die Schlange an der Kasse wird außerdem immer länger. Ich habe in der Zwischenzeit ein grünes Papierband für das Handgelenk erhalten, das mich als zahlenden Kunden ausweist. Die Vereinsmitglieder haben inzwischen ihre Alltagskleidung gegen ein hellblaues T-Shirt mit der Aufschrift “FZZ Skerbersdorf” ausgetauscht und sind somit prima unter den Besuchern zu erkennen. Durch die farbliche Hervorhebung sieht man nun auch deutlich, wie viele Mitglieder unterwegs sind. Oben an der Rampe haben mittlerweile zwei Moderatoren Platz genommen und beginnen, ihre Mikrofone zu testen. Alles wirkt sehr professionell, und ich bin bereits jetzt begeistert, was dieser Verein da geleistet hat.

Das Gelände füllt sich

Um 17 Uhr geht es dann los bzw. es sollte los gehen! Doch die Schlange an der Kasse reißt nicht ab. Der Start wird daher etwas verschoben, um auch allen Gästen die Chance zu geben, das Spektakel zu sehen. Mit einer Verzögerung von vielleicht 20 Minuten geht es dann aber wirklich los. Die ersten Teilnehmer betreten von hinten die Bühne hoch oben über dem Schwimmbecken und beginnen zur passend unterlegten Musik, ihre Performance darzubieten, um sich kurz darauf unter Johlen des Publikums mit selbstgebastelten Gefährten wagemutig auf der Rutsche in die Tiefe zu stürzen. Ab nun geht es Schlag auf Schlag! Ob tanzende Senioren, verkörpert durch zwei Altenpflegerinnen, die sich in einem Bett die Rutsche hinab stürzen, oder ein Kosmonaut, der mit seiner Rakete den Abhang hinabgleitet, es wird jede Menge geboten. Auch passend für die Region wird ein Wolf von einem Jäger verfolgt und stürzt den Abhang hinab. Oder ein Yeti mit einem Bergsteiger, verkörpert durch Tristan, dem Chef des Vereins. Der Knüller kommt jedoch ziemlich zum Schluss, als ein Landwirt mit einer alten Holzschubkarre voller Strohballen samt Karre den Abhang hinabrutscht.

Die Gaudi beginnt
Und weiter geht’s
Wer zeigt die beste Landung?
Auch auf Strohballen geht es bergab
Jede Menge Spaß und Kreativität
Gute Landung
Tristan, der Chef des Vereins wird von Yeti herum geführt
Maik, verkleidet als Kosmonaut in Begleitung eines Wolfes
Auch mit dem Auto geht es bergab
Toll war es!

Nach dem Springen hat die Jury einiges zu tun! Wer hat nun gewonnen? Die Entscheidung fällt am Ende auf die beiden Altenpflegerinnen, die sogleich wieder ihr Bestes geben und sich erneut die Rutsche hinab stürzen. Danach ist die Rutsche auch für die Kinder geöffnet, was für einen entsprechenden Ansturm sorgt. Was für eine Party! Doch die beginnt nun erst so richtig auf dem Gelände. Eine Band aus München sorgt im Festzelt für die entsprechende Stimmung, und es wird getanzt und gefeiert.

Festlich beleuchtetes Gelände
Eine Band sorgt für Stimmung

Gegen 23 Uhr verabschiede ich mich von Maik. Ich habe vor, am nächsten Tag wieder früh los zu ziehen und möchte daher versuchen, ins Bett zu gehen. Maik freut sich sehr, dass ich da war, und auch ich habe meine spontane Entscheidung, hier eine Nacht länger zu bleiben, nicht bereut. Ich gebe ihm noch meine Visitenkarte, dann verabschieden wir uns. Wer Lust hat sich dieses Spektakel im nächsten Jahr anzuschauen, der sollte sich mal Mitte August 2019 freihalten. In der Regel findet in dieser Zeit die Veranstaltung statt. Ansonsten einfach mal im Sommer 2019 auf der Homepage vorbeischauen, da stehen dann die Termine: Freizeitzentrum Skerbersdorf

Trotz der Musik schlafe ich kurz nach Mitternacht ein. Als ich um 3 Uhr erwache, läuft draußen immer noch die Musik, und es herrscht scheinbar eine gute Stimmung. Als ich eine Stunde später wieder wach werde, ist es jedoch still. Kein Mensch ist mehr da. Ich drehe mich wieder um und schlafe wieder ein.

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