Der Gewittertag

Fr., 24.08.2018
Neuspremberg – „Neusalza-Spremberg“ – Taubenheim – Sohland an der Spree – Wehrsdorf – Steinigtwolmsdorf – Berthelsdorf – Neustadt in Sachsen
Kilometer: 30,2 km

Meine Entscheidung, das Zelt in dem Tunnel aufzubauen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Zwar war es die Nacht über trocken, doch wach werde ich gegen 7 Uhr von Donnergrollen in Richtung Tschechien. Kurz darauf fängt es draußen an zu schütten, und die Donnerschläge kommen immer näher. Dann kommt plötzlich ein Naheinschlag. Es blitzt und kracht sogleich heftig! Ein Glück, dass ich hier unten im Tunnel sitze. Der vorbeilaufende Bach reagiert bis jetzt noch nicht auf den Regen. In Ruhe packe ich mein Zelt zusammen und setze mich auf dem gefundenen Sitzkissen an den Bach. Bis kurz nach 11 Uhr sitze ich hier und hole die fehlenden Berichte nach. Als ich gegen halb 12 Uhr schließlich losziehe, hat sich das Wetter gebessert. Doch zahlreiche Quellwolken zeigen bereits die nächsten Schauer an. Entlang der Bahntrasse führt mich ein Wiesenweg an den Ortsrand von Spremberg. Über Kopfsteinpflasterstraßen geht es durch den kleinen Ort.

Ergebnis eines Brandes mit Dämmmaterial

Nachdem ich mir beim Supermarkt etwas zu essen gekauft habe, gehe ich an der Straße hinunter zur Spree. Die hat auf das Gewitter deutlich reagiert. Dunkelbraunes Wasser transportiert einiges an Rasenschnitt mit sich.
Entlang der Spree wandere ich auf kleinen Sträßchen in Richtung Taubenheim. Über Tschechien braut sich inzwischen das nächste Gewitter zusammen, wie ein Donnergrollen verrät. Auch bei mir kommen nun große dicke Tropfen herunter, doch nach zwei Minuten hört es bereits wieder auf. Als ich zurückblicke. ist es hinter mir rabenschwarz.

Wohin man schaut, sieht es gewittrig aus

Als ich an einer Kuhweide vorbeikomme, entsteht Unruhe in der bis dahin friedlich grasenden Herde. Zahlreiche Mutterkühe fangen an laut zu muhen und bekommen sich gar nicht mehr ein. Als ich an den Tieren vorbei gegangen bin, setzt sich wieder einmal die komplette Herde in Bewegung und folgt mir hinter dem Zaun, solange es ihnen möglich ist. Ich frage mich ja schon seid längerem, was die Tiere an dem Wagen so interessant finden.

Die Kühe fahren wieder auf meinen Wagen ab

Mittlerweile bin ich regelrecht umzingelt von Gewittern. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, und auch ich werde nass werden. In Taubenheim fallen mir zahlreiche Sonnenuhren an den Häusern auf. Die älteste, die ich entdecken konnte, stammt aus dem Jahr 1798. Warum in diesem Ort so viele Sonnenuhren hängen, habe ich nicht herausgefunden.

Jede Menge Sonnenuhren

Über kleine Sträßchen laufe ich nach Sohland, wo ich eine kleine Pause einlege. An meinem Startort in Spremberg muss es schon seit Stunden gewittern. Auch im Zittauer Gebirge muss es hängen. Da hatte ich an den letzten Tagen ja Glück!

Wo ich her komme, ist es schwarz

Am Stausee verlasse ich die Spree und auf Sträßchen, so breit wie Feldwege, geht es leicht bergauf in Richtung Wehrsdorf. Oben zwischen den Wiesen liegen kleine Häuschen. Es sieht ein wenig aus wie in der Schweiz. Wer hier wohnt, hat einen tollen Blick in die Berge der Oberlausitz. Als ich schließlich Wehrsdorf erreiche, habe ich plötzlich vor mir eine dunkle Wolkenwand. Der orangerote Schimmer im Niederschlagsvorhang sowie ins türkis gehende Wolken über mir, gefallen mir gar nicht.

Wer kreativ ist, kann auch aus einem toten Baum noch Tolles erschaffen
Auch vor mir zieht es sich nun bedenklich zu

Ich muss schleunigst schauen, dass ich irgendwo Schutz finde. Ich laufe zielstrebig auf die Kirche von Wehrsdorf zu. Hoffentlich ist diese offen. Ich habe diese gerade erreicht, da setzt ein heftiger Platzregen und Sturmböen ein. Doch ich habe Glück, die Kirche ist offen. Samt Wagen rette ich mich in das Gebäude. Während draußen das Gewitter tobt, schaue ich mir die Kirche an. Kronleuchter in einer Kirche habe ich zuvor auch noch nicht gesehen.
Nach 15 Minuten ist auch schon wieder alles vorbei, und die Sonne kommt raus. Weiter geht es!

Mein Zufluchtsort vor dem Gewitter
Außenansicht

Am Ortsende von Wehrsdorf geht es für mich auf einem Radweg neben der Straße ordentlich den Berg hinauf, denn Steinigtwolmsdorf liegt oben auf einer Kuppe. Als ich diese erreiche, ist in der Ferne bereits die nächste schwarze Wolkenwand vor mir zu erkennen. Das gibt es doch nicht! So komme ich ja heute überhaupt nicht voran! Mit etwas Glück zieht der Schauer an mir vorbei. Ob ich es darauf ankommen lassen soll? Ich überlege hin und her. Der Regen ist ja nicht das Problem, aber die Blitze.
Ich beschließe, doch weiter zu laufen. Parallel zur Landstraße nach Neustadt gehe ich durch eine Wohnsiedlung hoch zum Wald. Dort stoße ich auf einen schmalen Pfad, der von Wurzeln und Steinen durchsetzt ist. Doch ich komme ganz gut voran. Schließlich stoße ich auf einen kleinen Waldweg. Diesem folge ich über eine Wiese in ein weiteres Waldstück. Nach und nach wird der Weg immer schmaler. Bis ich schließlich einen Pfad entlang wandere, der für meinen Wagen fast zu schmal ist. Ich habe dennoch meinen Spaß!

Auf immer schmaleren Wegen geht es entlang
Doch plötzlich hab ich mich verirrt
Wie dieses Schild beweist
Kaum noch mit dem Wagen zu befahren

Leider endet dieser schließlich an der Landstraße, auf der ich nun notgedrungen knapp 2 km folgen muss. Es gibt sehr viel Verkehr, doch die Autofahrer überholen mit ausreichendem Abstand. Dennoch bin ich froh, als ich schließlich die Straße verlassen kann und für mich allein eine Forststraße durch den Wald laufe. Als ich schließlich bei Berthelsdorf den Wald verlasse, präsentiert sich mir ein grauer Himmel. Die Temperatur ist deutlich gefallen, und ein kräftiger Westwind bläst zwischen der Apfelallee hindurch, die ich hinunter in den Ort laufe. Willkommen im Herbst!

Es ist schlagartig herbstlich geworden

Durch kleine Gässchen marschiere ich durch Berthelsdorf in Richtung Neustadt. Am Ortsende biege ich jedoch nach Westen ab und laufe durch ein Industriegebiet hinüber zu einer größeren Landstraße. Parallel dazu gehe es ich an Äckern vorbei in Richtung Neustadt. Als ich die ersten Schrebergärten erreiche, entdecke ich am Waldrand einen schönen Rastplatz und beschließe, hier zu bleiben. In Kürze wird es auch schon dunkel.

2 Gedanken zu “Der Gewittertag”

  • Warum nur “Nachdem ich mir beim Supermarkt was zu essen geholt habe,” und nicht “Nachdem ich mir beim Supermarkt Nudeln, Brot, Fett, Rosinen, Fett, Käse und Wurs geholt habe,” oder so. Du siehst, ich lass nicht locker mit dem Essen! 😉

    • Hallo Sebastian,

      in Kürze erscheint mit zugegeben deutlicher Verspätung das 1500km Spezial, wo es ausschließlich nur ums Essen geht 😉
      Mit Bildern!
      Ich habe mir einen normalen Tag während der Hitzeperiode, die im Zeitraum der erlaufenen 1500km vorherrschte, heraus gepickt. Jetzt bei kühleren Wetter sieht es wieder etwas anders aus, aber auch nur in gewissen Bereichen.

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