Ein Tag voller Begegnungen

Mi., 29.08.2018
Pirna – Heidenau – Dresden – Dölzschen
Kilometer: 30,9 km

Nach der Nacht am Radweg, stehe ich früh auf. Die direkt an mein Zelt grenzende Bahnlinie hat. wie vermutet, für mächtig Lärm in der Nacht gesorgt. Zahlreiche Güterzüge donnerten gefühlt durch mein Zelt.

Nachdem ich alles zusammen gepackt habe, geht es entlang der Elbe und der Bahnlinie in die Altstadt von Pirna. Weit ist der Weg nicht. Mein Übernachtungsplatz lag im Grunde kurz davor. In Ruhe schlendere ich über den Marktplatz und durch die Gassen und verlasse kurz darauf wieder den kleinen Ortskern.

Altstadt von Pirna
Leider gegen das Licht
Weitere Ansichten

Auf dem Elbe-Radweg führt mich mein Weg weiter an zahlreichen Ruderclubs vorbei. In der Ferne ist bereits der Fernsehturm von Dresden am gegenüberliegenden Hang zu erkennen. Sonst hat sich die Landschaft verwandelt hin zu einem eher offenen und flachen Landschaftsbild. Vor mir tauchen die Gebäude der Papierfabrik auf, die, so am Wasser liegend, an eine Burganlage erinnern. Aufgrund einer Baustelle ist nun der Elbe-Radweg versperrt. Es wurde eine Umleitung durch Heidenau eingerichtet, der ich auch kurz darauf folge. Kurz hinter Heidenau kürze ich jedoch die Umleitungsstrecke etwas ab und gehe auf Schotterwegen an einer ehemaligen Kiesgrube vorbei, bis ich schließlich wieder auf die asphaltierten Wege des Elbe-Radweges stoße.

Könnte auch in Frankreich sein
Aufgrund des niedrigen Wasserstandes kein Verkehr
Dresden ist erreicht

Als ich mich gerade auf der Höhe von Schloss Pillnitz befinde, das auf der gegenüberliegenden Elbseite liegt, spricht mich ein Radfahrer aus Dresden kommend an. Ihn interessiert sehr meine Reise, und wir kommen eine Weile darüber ins Gespräch. Er erzählt mir, dass der Ansturm auf das Elbsandsteingebirge mittlerweile bedenkliche Ausmaße angenommen hat. So gäbe es momentan auch Überlegungen, für den Tourismus an der Basteibrücke eine gläserne Plattform zu errichten. Wir verabschieden uns, und und ich laufe weiter in Richtung Norden. Mittlerweile sind auf dem Elbe-Radweg enorm viele Radfahrer unterwegs, viele mit viel Gepäck. Zum Teil kommen mir ganze Kolonnen entgegen. In meine Richtung ist es das gleiche Spiel. Und das an Werktagen!

Als ich gerade Laubegast passiert habe, klingelt mein Telefon. Am anderen Ende ist Marcus dran, ein Freund eines Bekannten. Er ist derzeit mit dem Rad unterwegs und hat vor, ein Jahr lang damit durch Europa und weiter in Richtung Türkei zu fahren. Los gefahren ist er vor zwei Wochen und hat die letzten Tage bei Marta, einer Bekannten verbracht, die ich auch heute noch besuchen möchte. Nun ist er wieder auf dem Weg in Richtung Prag und müsste mir eigentlich jeden Moment entgegen kommen. Wir gleichen unsere Standorte ab und stellen fest, dass keine große Distanz mehr zwischen uns liegen kann. Und tatsächlich kommt mir Marcus kurz darauf auf seinem Rad entgegen. Wir tauschen uns eine Weile über unsere Reisen aus und wünschen uns dann alles Gute. Während er sich wieder auf den Weg in Richtung Süden macht, laufe ich weiter an der Elbe vorbei am Blauen Wunder: Eine große Stahlbrücke, die Blasewitz mit Loschwitz verbindet. Am gegenüberliegenden Ufer ist auch die Bergbahn der Schwebebahn zu erkennen.

Elbetal bei Dresden
Das Blaue Wunder

Ich verlasse am Blauen Wunder den Elbe-Radweg und marschiere durch Blasewitz zu Marta. Marta hatte ich vor drei Jahren kennengelernt. Sie ist eine herzensgute Frau! Sie begrüßt mich auch sogleich freudig und geht davon aus, dass ich gleich mehrere Tage bei ihr bleiben möchte. Doch ich habe am Abend noch einen weiteren Termin und habe vor, nur etwa zwei Stunden zu bleiben. Marta tischt mir ein hervorragendes ungarisches Gulasch mit selbst gemachten Eier-Nockerln auf. Dafür noch einmal herzlichen Dank! Nach Gesprächen von 2,5 Stunden muss ich wieder los. Für mich geht es weiter in die Innenstadt, wo ich mich um 17 Uhr mit Stefan verabredet habe. Stefan ist im gleichen Wetterforum angemeldet, in dem auch Nadja und ich Mitglied sind.

Die Frauenkirche von Innen
Die Kuppel
Dresdens Innenstadt

Er holt mich kurz darauf am Martin-Luther-Denkmal an der Frauenkirche ab und wir ziehen weiter in Richtung Altmarkt, in dessen Nähe wir in einem Café etwas trinken gehen. Herzlichen Dank für die Einladung! Wir unterhalten uns über alles Mögliche: Natürlich die Meteorologie und meine Reise, aber auch private Themen. Nach 2 Stunden verabschieden wir uns, und ich mache noch einen Umweg über den Altmarkt, dann gehe ich in Richtung Hauptbahnhof und durch diesen hindurch weiter in Richtung Westen. Auf schmalen Straßen laufe ich durch die Wohnviertel von Dresden in Richtung Dölzschen. Es wird bereits dunkel, als ich mich immer weiter den Berg hoch schraube. Oben hat man einen herrlichen Blick auf das Elbtal und das Lichtermeer der Stadt. Zwischen zwei Hecken suche ich mir mit Hilfe der Stirnlampe einen Platz für mein Zelt. Nachdem ich es aufgebaut habe, rufe ich noch Katharina an, und wir telefonieren noch eine Weile.

Als ich mich von ihr verabschiedet habe und im Zelt liege, sitze ich plötzlich senkrecht im Zelt. Ich habe komplett vergessen, in Dresden meine Neopren-Überziehschuhe abzuholen, die mein Vater vor einer Woche an eine Postfiliale nahe des Altmarktes geschickt hat. Wie kann man denn so verpeilt sein? Keine 400 m bin ich daran vorbei gelaufen. Das heißt dann wohl oder übel: Morgen geht es zurück nach Dresden.

Stefan hat noch ein Bild von mir gemacht

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