Auf der Suche nach Post und der nicht enden wollende Wald

Do., 30.08.2018
Dölzschen – Dresden Mitte – HBF – Freital-Potschappel – Tharandt – Edle Krone – Naundorf
Kilometer: 31,1 km

Die Nacht blieb trocken, als ich jedoch kurz vor 6 Uhr aus dem Zelt schaue, sieht es sehr nach Regen aus. Ich beschließe daher, nicht mehr länger zu warten und beginne zu packen. Ich bin gerade dabei, das Außenzelt einzutüten, da fallen die ersten Tropfen. Na, das wird ja nun wohl noch fünf Minuten warten können, bis ich alles im  Packsack verstaut habe! Als ob da oben einer sitzt und meine Bitte erhört hat, hört es auch schon wieder auf! Kurz darauf ist mein Wagen abfahrbereit. Ich überlege immer noch, ob ich die knapp 7 km zurück nach Dresden laufen oder den Bus nehmen soll. Ich kann es immer noch nicht begreifen, dass ich dort gestern einfach dran vorbei laufen konnte. Ein Glück, das ich gestern abend dann doch einmal dran gedacht habe!

Während ich den Berg hinab nach Dölzschen laufe, rufe ich die Internetseite der Dresdner Verkehrsbetriebe auf. Was kostet mich der Spaß überhaupt? Als ich jedoch den Preis für eine Zone sehe, brauche ich gar nicht mehr lange zu überlegen: Ich werde laufen.

Durch den Bienertpark steige ich hinab ins Weißeritztal. Mittlerweile ist auch Katharina wach, und ich schreibe mit ihr hin und her. Am verrücktesten wäre es ja noch, wenn ich nun zur Post komme, und das Paket ist nicht da, und ich den ganzen Weg umsonst zurück gelaufen bin, sage ich zu ihr. Es gibt ja solche Tage, an denen man am besten gar nicht aufsteht, sondern sich besser umdreht und auf den nächsten Tag hofft. Und irgendwie habe ich das Gefühl, heute wird es so ein Tag werden! Leichter Regen hat mittlerweile auch eingesetzt, aber der stört mich nicht. Was mich viel mehr stört, sind enorm viele gestresste Berufspendler! Die Straßen sind dicht, eine Radlerin brüllt herum, weil die Ampel vor ihr auf Rot schaltet, und ein Motorradfahrer steht vor seiner Maschine und murmelt nur noch “Scheiße, Scheiße, Scheiße!” vor sich hin. Dazu sehr viele Passanten mit missmutigen Gesichtern. Vielleicht nehme ich aber auch heute nur alles so missmutig wahr, weil ich es selbst bin? Diese Frage beschäftigt mich für den Rest der Strecke, ohne dass ich zu einem wirklichen Ergebnis für mich komme.

In der Innenstadt überlege ich, was ich bis zu Öffnung der Postfiliale machen soll. Ich beschließe, in die bereits geöffnete Altmarkt-Galerie zu gehen. Da ist es wenigstens trocken. Es sind auch nur noch knapp 20 Minuten bis zur Öffnung der Postfiliale nebenan. Ich nutze die Zeit und schaue dank WLAN nach, was die Regenfront macht. Das Wetter müsste eigentlich bald besser werden!

Punkt 9 Uhr stehe ich schließlich nebenan in der Filiale und hoffe, hier meine Überziehschuhe in die Hand zu bekommen. Das passende Wetter gibt es mittlerweile draußen. Doch die Dame am Schalter kommt mit leeren Händen zurück. Es tue ihr Leid, aber es sei kein Paket für mich eingetroffen, teilt sie mir mit. Ich würde außerdem eine Information erhalten, wenn hier ein Paket für mich eingehen werde. Ich bin irritiert! Das Paket wurde vor genau einer Woche abgeschickt, dass müsste doch längst hier sein! Tja, was nun? Ich verlasse etwas ratlos die Filiale und suche wieder Schutz im Einkaufszentrum. Aus purer Hoffnung nun hier in Dresden bleiben, ergibt auch keinen Sinn. Wer weiß, wann das Paket hier eintreffen wird, bzw. ob überhaupt. Im schlimmsten Fall sind die Überziehschuhe verloren gegangen, ansonsten geht es zurück zu meinen Eltern, sollte es jemals hier eintreffen und ich es nicht abholen. Plötzlich kommt mir die Idee noch einmal in der Filiale vorbeizuschauen. Wenn ich keine Benachrichtigung von DHL erhalten habe und die Sendung auch nicht in der Paket App auftaucht, wurde es vielleicht gar nicht als Päckchen aufgegeben, sondern als Großbrief. Vielleicht war die Frau nur auf der Suche nach Paketen. Also laufe ich wieder zurück und frage um Rat. Die Dame am Schalter geht sogleich los und durchwühlt wieder zahlreiche Schränke und Kisten. Nein, auch unter der Briefpost sei nichts angekommen. Nun gut, jetzt habe ich wirklich alles probiert, was möglich ist. Alles sehr ärgerlich, vor allem, dass ich nun die komplette Strecke umsonst zurück gelaufen bin. Aber da kann man nichts machen! Ich beschließe, weiter zu laufen, bzw. entscheide mich dazu, die Strecke vom Hauptbahnhof bis zu meinem Standort am Morgen mit der Bahn zu nehmen. Zweimal die gleiche Strecke laufen, das reicht! Als ich gerade im Hauptbahnhof angekommen bin, fängt es draußen an zu schütten wie in einem Gewitter. Der Regen prasselt nur so auf das Dach. Ein Glück, dass ich gerade drinnen bin. Nach einer Wartezeit von 20 Minuten fährt schließlich auch mein Zug zurück nach Freital. Die Fahrtdauer beträgt nur wenige Minuten, und so stehe ich kurz darauf wieder auf Höhe meines morgendlichen Punktes, nur dieses Mal im Tal. Entlang der Weißeritz führt mich mein Weg auf kleinen Straßen durch den Ort. Dann wechsle ich die Uferseite und folge entlang einer Hauptstraße weiter in Richtung Westen. Dazu fällt leichter Regen, mal stärker, dann wieder schwächer werdend. Nach und nach wird das Tal immer enger und die Talhänge links und rechts immer steiler. Dank eines Radweges entlang der Hauptstraße komme ich jedoch sicher voran. Kurz vor der Bahnhaltestelle Edle Krone verschwindet dann der Radweg, und für mich geht es auf der Straße weiter. Zum Glück gibt es nicht viel Verkehr, und auf Höhe der Bahnhaltestelle verlasse ich schließlich auch die Landstraße nach rechts auf ein kleines Sträßchen. Immer wieder wird die Bahnlinie unterquert, die sich in dem Tal nach oben bewegt. Mit dem Regen und den tiefhängenden Wolken hat das Tal einen alpinen Charakter.

Entlang der Straße geht es durch den Regen
Immer wieder kreuzt die Bahnstrecke die Weißeritz

Nach ca. 2 km verlasse ich dann endgültig die Straße und gehe auf Forstwegen leicht bergauf durch den Wald. Auch die Weißeritz habe ich mit Verlassen der Straße hinter mir gelassen. Der kleine Bach an meiner Seite führt kaum Wasser. Das kommt dafür von oben: Es hat sich herrlich eingeregnet! Das war auf dem Radar gar nicht so ersichtlich. Als ich an einem Staubecken ankomme, stoße ich auf die erste Schutzhütte unterwegs. Und damit die erste Möglichkeit, im Trockenen Pause zu machen.

Kleiner Stausee im Dauerregen

Nachdem ich dort einige Zeit gesessen und dem feinen Regen zugeschaut habe, ziehe ich wieder meine Regenjacke an und wandere weiter. Nachdem ich die Bahnlinie unterquert habe, verlasse ich diese endgültig und steige leicht bergan durch Fichtenwald. An einer Kreuzung biege ich ab und folge dem Forstweg kilometerweit kerzengerade durch den Wald. Links und rechts immer wieder Fichtenwald, mal mit Unterbewuchs, dann wieder nur Moose. Nachdem ich eine Straße überquert habe, gehe ich im feinen Nieselregen weiter geradeaus durch den Wald. Als ich an einer Kreuzung eine Schutzhütte erreiche, weiß ich dann auch wieder, wo ich mich überhaupt befinde. Doch noch habe ich viele Waldweg vor mir. Mit leichter Richtungsänderung geht es weiter immer nur geradeaus mehr oder weniger auf einer Höhe durch den Wald. Einzig kleine Steigungen verraten mir, wo ich mich in etwa befinde. Der Regen hat sich der Landschaft angepasst. Er ist mal kräftiger, mal schwächer, aber konsequent dauerhaft vorhanden.

Schnurgerade geht es durch den Fichtenwald

Als sich nach einer Kuppe erneut nur eine Forststraße mit Wald bis an den Horizont vor mir ausbreitet, habe ich zunehmend ein Laufband vor Augen, auf dem ich mich andauernd vorwärts bewege, jedoch nie vom Fleck komme. Das gibt es doch nicht! Der Wald müsste doch schon längst zu Ende sein! Habe ich mich verlaufen? Schwer möglich, wenn man immer nur geradeaus geht. Aber seltsam ist es schon! Ich liebe ja an und für sich Wald, und in Brandenburg bin ich auch kilometerlang durch Wälder gelaufen. Aber heute fühlt es sich für mich an, als ob ich ihn nie mehr verlassen werde. Doch schließlich habe ich dann doch das Ende erreicht. Hell ist zwischen den Bäumen eine Wiese zu erkennen.

Das Waldende ist zu sehen

Ich biege jedoch nach links ab und bleibe somit im Wald. Mein Ziel ist eine Schutzhütte, die sich laut meiner Karte in unmittelbarer Nähe befinden soll. Und tatsächlich taucht diese kurz darauf zu meiner linken Seite auf. Gerade groß genug, um mein Zelt unter dem Dach aufbauen zu können. So bleibe ich im Trockenen.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, beginne ich, die verbliebenen Berichte anzufertigen. Nach und nach lässt auch der Regen nach, und gegen 18 Uhr kämpfen sich sogar einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Morgen dürfte es somit wieder besser werden. Den Regen fand ich heute den Tag über nicht schlimm. Man ist ja schon froh, wenn es überhaupt mal regnet! Und noch ist es ja auch recht mild, sodass man auch schnell wieder trocknet. In einigen Wochen dürfte das dann anders aussehen.

 

 

Ein Gedanke zu “Auf der Suche nach Post und der nicht enden wollende Wald”

  • Der Großbrief mit den Neopren-Schuhen ist tatsächlich wieder zu Hause angekommen. Und was erklärt die Deutsche Post dazu?
    “Nicht AGB-Komfort”, 24.08.18.
    Was das heißen soll, weiß ich auch nicht! Und für diesen guten Service will die Deutsche Post ab 1. Januar 2019 ihr Porto erhöhen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.