Auf der Suche nach Sonne

Mi., 12.09.2018
Unterloquitz – Arnsbach – Marktgölitz – Königsthal – Gösselsdorf
Kilometer: 12,5 km

Als ich am Morgen erwache, ist mein Zelt nass. Nicht klatschnass, aber eben nass! Und bis die Sonne an meinen Standort vorgewandert ist, wird es noch ein paar Stunden dauern. Nachdem ich mich aus dem Schlafsack geschält habe, was bei Außentemperaturen von unter 10°C gar nicht so angenehm ist, mache ich mich auf die Suche nach einem guten Platz, um mein Zelt zu trocknen. Denn am Abend werde ich wieder häuslich übernachten, da muss das Zelt trocken sein. Nass möchte ich es zumindest ungern über Nacht im Packsack lagern. Doch die Suche nach der Sonne ist in dem Tal, in dem ich mich befinde, gar nicht so einfach. Am Hang gegenüber knallt sie schon kräftig herunter, doch ich befinde mich im Schatten mehrerer Bäume, die sich oberhalb von mir an der Weide befinden. Kurzerhand schnappe ich mir das Außenzelt, klettere zur Weide hinauf und hänge das Außenzelt zwischen zwei Bäumen an Ästen auf. Das wäre schon mal erledigt! Es bleibt noch das Innenzelt, das durch den Abbau des Außenzeltes auch feucht geworden ist. Ich trage das noch aufgebaute Innenzelt an einen von der Sonne schon beschienenen Platz in der Nähe meines Übernachtungsortes. Wenn jetzt jemand den Berg herunterkommt, wird er denken, hier habe eine ganze Gruppe übernachtet, denke ich mir: Dort mein Außenzelt, hier mein Innenzelt und weiter hinten zwischen dem Weißdorn der Rest des Gepäcks.
Während das Zelt trocknet, widme ich mich dem Hüftgurt. Die letzte Lösung war nicht so ideal, also muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Ich hänge an die beiden intakten Ösen an der Seite zwei Karabiner ein und ziehe das Gurtband immer abwechselnd hin und her. Die verbliebene Öse in der Mitte nutze ich ebenfalls, so gut es geht. Doch irgendwann ist diese voll. Schließlich habe ich ein mehrschichtiges Gurtband, in das ich mittig die Karabiner einhängen kann. Ich will einmal sehen, ob das so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Als ich nach den Zelten schaue, sind diese fast trocken. Ich habe jedoch keine Lust mehr, im Schatten zu stehen, und packe sie ein. Ich werde sie unterwegs in der Sonne noch einmal aufhängen.
Steil geht es die Schotterstraße wieder bergab. Unten hänge ich den Wagen in meine neue Konstruktion ein. Sie ist deutlich besser, aber noch ein bisschen zu lang. Ich wickele die Gummiseile mehrmals um den Griff und hänge die Karabiner wieder ein. So ist es prima! Das stellt zwar weiterhin eine nur vorübergehende Lösung dar, aber sie ist besser als die des Vortages.
Auf einer Anhöhe verlasse ich Unterloquitz oberhalb des Tales. Ich bin keine 500 m weit gekommen, da entdecke ich in der Sonne den idealen Zeltplatz mit einem Tisch und einer Bank, sowie einem Mülleimer. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich mir gestern den großen Aufwand schenken können!

Hier hätte ich auch die Nacht bleiben können

Immer weiter geht es auf dem kleinen Sträßchen oberhalb des Tales, bis es schließlich in die Hauptstraße einmündet. Doch schräg gegenüber kann ich die Hauptstraße bereits wieder verlassen und unter der Bahnlinie hindurch auf einem geschotterten Fahrradweg an der Bahnlinie entlang wandern. Trotz der Lage im Tal habe ich es immer wieder mit teils heftigen Anstiegen zu tun! Besonders anstrengend ist ein Wegstück mit einer Steigung von 25 %. Wenn diese Anstiege wenigstens einen Nutzen hätten! Aber nein, in der Regel folgt sogleich wieder der Abstieg.

25% Steigung
Steil geht es bergauf

Immer weiter geht es durch das schöne Tal entlang der Bahnlinie. Allmählich werden die Hügel links und rechts flacher und von Wiesen dominiert.

Entlang der Bahnlinie geht es auf Schotter voran
Die Hänge werden flacher und es steht weniger Wald

Auf der Höhe von Oberloquitz verlasse ich schließlich das Tal und die Bahnlinie. Durch ein Seitental geht es nach Marktgölitz. Ein dichter Fichten- und Kiefernwald rückt immer tiefer ins Tal. Dennoch wirkt das Tal sehr lieblich. Ein mobiler Bäcker fährt an mir vorbei, hält einige 100 m vor mir und wirft seine Sirene an. Einige Anwohner scheinen darauf schon gewartet zu haben und stürmen aus dem Haus. Alles dauert nur wenige Minuten, denn ich habe das Fahrzeug gerade passiert, da fährt der Bäcker schon wieder los zum nächsten Ort.

Kleine hübsche Orte

Ich folge der kleinen Straße immer weiter durch das Tal. Stetig geht es leicht bergauf. Doch alles ist problemlos machbar. Ich frage mich nur, wie ich bei dem geringen Anstieg heute meine 300 Höhenmeter schaffen soll?
Als ich in Königsthal ankomme, gehe ich nach links auf Wanderwegen und nun ohne Straße durch das Tal.

Straßen werden immer schmaler…
… bis sie ganz verschwinden

Die Steigungen nehmen zwar schon deutlich zu, aber alles ist locker befahrbar. Doch als das Tal einen Knick macht, weiß ich, wo die letzten Höhenmeter versteckt sind. Sehr steil klettere ich auf grobem Schotter den Berg hinauf. Mehrere Kilometer geht es so voran, teilweise in der Sonne, teilweise im Schatten. Natürlich war es mir bewusst, dass die Temperatur heute auf über 30°C steigen soll. Doch man spürt auch die deutlich voran geschrittene Jahreszeit: Es ist zwar warm, aber es lässt sich nicht mit den Verhältnissen Mitte August vergleichen. Es ist einfach eine andere Atmosphäre!

Schönes Tal
Immer steiler geht es bergauf

Nach und nach lichtet sich der Wald neben mir, das Tal wird wieder breiter und die Steigungen nehmen ab. Ich habe es geschafft und bin in Gösselsdorf angekommen, dem Wohnort von Hans, meinem heutigen Gastgeber. Hans ist wie Peter und René bei Outdoorseiten.net angemeldet und hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Doch bevor ich bei ihm vorbeischaue, mache ich an einer Bank Rast, hole noch einmal mein Zelt heraus und breite es in der Sonne aus. Außerdem bereite ich den Bericht und die dazu gehörenden Bilder vor. Dann werde ich später mehr Zeit bei ihm haben.

Hans begrüßt mich freudig an seinem Haus. Gemeinsam tragen wir meinen Wagen in den ersten Stock hinauf, wo ich für die Nacht ein eigenes Zimmer haben werde. Danach machen wir es uns im Wohnzimmer bequem. Hans ist gelernter Schreiner und baut hervorragende Möbel. Fast jedes Möbelstück in seinem Haus ist von ihm selbst gebaut. Hinter dem Haus hat er noch eine Werkstatt, die er gerade innen ausbaut. Sein Faible gilt allerdings Kräuterpfeifen, die er aus edlen Hölzern und Edelstahlrohren herstellt. Er hat lange daran geforscht und ein Modell entwickelt, in der es zur perfekten Verbrennung kommt. Es bleiben darin keine Aschepartikel übrig. Auf seiner Homepage sind diese zu erhalten. Er erzählt mir, dass er bei Kundenwünschen oft viele Pfeifen herstellt, bis er im Holz das Motiv entdeckt, das den Vorstellungen des Kunden entspricht. Man kann nicht einfach ein Holz nehmen und daran losschnitzen!

Hans ist selbst schon mehrfach in Amerika gewesen und dort gewandert, unter anderem auf dem Appalachian Trail. Er geht oft im Winter zum Zelten und baut auch gerade wieder an einem neuen Zelt. Auch Rucksäcke näht er selbst. Daher wird er hellhörig, als ich ihm von dem gerissenen Hüftgurt erzähle. Doch zuvor bereiten wir aus Äpfeln ein leckeres Abendessen zu, das mir vorher völlig unbekannt war: Apfelnudeln. Bandnudeln mit Äpfeln und Rohrzucker. Das schmeckt sehr lecker und lässt sich schnell zubereiten. Am Abend unternehmen wir noch einen Spaziergang mit seinem Hund. Wir hoffen, im Schein der Stirnlampen Hirsche zu erblicken. Hans hatte am Vortag zahlreiches Rotwild am Waldrand beobachtet. Und tatsächlich können wir im Schein der Lampen mehrere Augenpaare im Dunkeln reflektieren sehen.

Nach unserer Rückkehr zum Haus nimmt sich Hans meinen Hüftgurt vor. Er hat tatsächlich im Flur einen Gurtbandständer mit vielen Rollen verschiedenen Gurtbandes stehen. In einem Zimmer steht eine alte, aber kräftige Nähmaschine. Nachdem er das alte Gurtband entfernt hat, versucht er, das neue Band mit der Nähmaschine fest zu nähen. Doch das Material des Hüftgurtes ist zu dick. Schade, denke ich mir. Aber es war doch einen Versuch wert! Doch Hans hat der Ehrgeiz gepackt! Er versucht es etwas weiter unten, wo der Hüftgurt dünner wird, noch einmal. Ganz langsam führt er die Nadel durch das Material. Gerade, als die erste Naht sitzt, bricht die Nadel ab. Er begutachtet die Naht. Nicht perfekt, meint er, aber das wird halten. Mit einer weiteren Nadel macht er sich an das zweite Gurtband. Doch es gibt Probleme mit der Maschine! Hans gibt aber nicht auf. Und so halte ich kurz darauf meinen Hüftgurt mit zwei neuen Schlaufen links und rechts in der Hand. Das ist unglaublich! Hans rät mir jedoch, die Schlaufen auch im dickeren Bereich bei einem Schuster noch einmal annähen zu lassen. Dann wäre ich auf der sicheren Seite. Ich bin Hans für diese Reparatur sehr dankbar! Seit Wochen zerbreche ich mir den Kopf, welche Alternativen es zu dem Hüftgurt gibt. Im Hundesport habe ich mich umgeschaut, im Klettersport, beim Hersteller des Hüftgurtes hatte ich nach Ersatzteilen angefragt, doch so richtig weiter bin ich nie gekommen. Und nun hat sich das alles mit einem Schlag erledigt. Noch einmal vielen Dank, Hans!

Die neu angebrachten Schlaufen am Hüftgurt

Wir sitzen noch eine Weile im Wohnzimmer zusammen und unterhalten uns über das Reisen, danach gehen wir zu Bett.

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