Sonnenuntergang und wilde Begegnung

Mo., 2.7.2018
Blankenburg – Cattenstedt – Benneckenrode – Thale –Hexentanzplatz – Thale
Kilometer: 24,6 km

In der Nacht wache ich um 2 Uhr plötzlich von Motorengeräuschen auf. Ein Auto kommt die Straße entlang. In der Ferne hört man es halten, jemanden aussteigen. Dann Stille. Nach einiger Zeit wird der Motor wieder angeworfen. Das Auto kommt näher, um wieder anzuhalten. Wieder steigt jemand aus. Stille. Bis schließlich der Motor wieder angeworfen wird, und sich das Auto erneut ein Stück in meine Richtung bewegt. Das Spielchen wiederholt sich noch einige Male, und ich bin mittlerweile hell wach.  In der Straße gibt es viele große Villen. Was, wenn es sich um eine Einbrecherbande handelt, die gerade da draußen ihr Unwesen treibt? Wer fährt sonst um diese Zeit von Haus zu Haus? Im Kopfe sehe ich bereits einen bulgarischen Kastenwagen vorfahren, zwei Männer herausspringen und in das Naturfreundehaus einsteigen. Ich öffne vorsichtig den Reißverschluss meines Außenzeltes und schaue um die Ecke. Gleich müsste ich das Auto zu sehen bekommen. Und dann kommt es auch schon vorgefahren. Es ist ein Zeitungszusteller. Erleichtert drehe ich mich um und schlafe wieder ein.

Gegen 7 Uhr mache ich mir ein kleines Frühstück und packe – bis auf das Außenzelt – alles ein. Den fertig gepackten Wagen schiebe ich unter das noch gespannte Außenzelt und mache mich anschließend auf den Weg in die Stadt. Ich möchte noch ein, zwei Stempel der Harzer Wandernadel  in der Gegend sammeln gehen und um 10 Uhr, wenn die Touristeninformation auf macht, die fehlenden Stempel von den Vortagen anerkennen lassen. Die bronzene Nadel hatte ich mittlerweile erreicht.

Nachdem ich wieder beim Zelt bin, baue ich auch dieses ab und mache mich auf den Weg. Auf dem Gelände treffe ich dann auch Herrn Lanzke, der mir die Übernachtungen auf dem Gelände in den Vortagen ermöglicht hatte. Dafür noch einmal vielen Dank!

Über einen breiten und im Gegensatz zu Freitag gut befahrbaren Waldweg geht es wieder Richtung Osten. Doch irgendwann werde ich die Teufelsmauer überqueren müssen, da führt kein Weg vorbei. Und dies geschieht dann auch schließlich bei zwar weiterhin breitem Waldweg, aber einer extremen Steigung. Über 20% müssen das gewesen sein. Nur mühsam komme ich mit dem Wagen voran. Immer wieder muss ich anhalten und Pause machen. Bei solchen Steigungen wird der ganze Vorteil des Wagens ins Gegenteil verkehrt. Denn durch die Räder, die lieber nach unten als nach oben wollen, muss ich mich richtig dagegen stemmen. Aber schließlich habe ich es geschafft, und es geht auf der Gegenseite wenige Meter hinunter zur Landstraße. Diese überquere ich, und auf einer Schotterstraße geht es an Kirschbäumen vorbei nach Süden.

Hier geht es brutal steil hoch

Hier treffe ich zum ersten Mal Menschen an, die mit einer Leiter die Kirschen ernten. Ich finde es so schade, dass all die tollen Kirschen einfach nicht geerntet werden und an den Bäumen verfaulen. Umso mehr freue ich mich, endlich mal jemanden zu treffen, der dieses Geschenk der Natur auch zu würdigen weiß. Dies teile ich den beiden Männern auch mit. Dadurch entwickelt sich ein Gespräch über die Kirschen in der Region. Früher wurden diese pro Baum an die Bürger der DDR verpachtet. Für 10 Mark, wie ich erfahre. Heute kümmert sich keiner mehr darum. Selbst die Bedürftigen, wie mir Peter erzählt, haben kein Interesse an den Früchten. Er und sein Kumpel hätten schon unzählige Gläser Marmelade daraus gemacht, und heute würde es Kirschsaft geben. Sie erkundigen sich nach meinen Reiseplänen und geben mir noch allerhand Tipps für den Harz. Als ich gerade gehen möchte, öffnet Peter den Kofferraum des Autos und füllt mir aus Eimern eine große Tüte Kirschen ab. Für die Reise.

Mal wieder Kirschen. Dieses mal jedoch ein Geschenk

Nachdem wir uns verabschiedet haben, geht es für mich auf nun schönen Wiesenwegen entlang eines Hanges nach Osten. Vorbei an grasenden Schafen unter Kirschbäumen.

Über Wiesenwege Richtung Thale
Schafe am Wegesrand

Am Waldrand führt nun wieder ein Schottersträßchen nach Thale. Ich überlege was ich nun machen soll. Eigentlich würde ich gerne das Bodetal im Abendlicht fotografieren. Es ist aber erst 12 Uhr. Ich beschließe daher, meinen Wagen in einer Hecke zu verstecken und ohne diesen weiter zu ziehen. Hinauf über Bergpfade Richtung Hexentanzplatz.

Nach einigem Suchen werde ich schließlich in unmittelbarer Nähe zu einer Schrebergartenanlage auch fündig. Den Wagen wird hier keiner finden. Mir kommt jedoch der Gedanke, dass es wohl schon dunkel sein wird, bis ich zurück bin. Im Dunkeln das Zelt aufbauen, ist auch nicht ideal. Also baue ich es kurzerhand schon auf. Es ist so gut versteckt, dass ich dieses Risiko eingehe.

Mit Stativ und Fotoausrüstung mache ich mich wieder auf den Weg. Über einen schmalen Pfad geht es westlich von Thale Richtung Bodetal. Am Ende einer Downhillstrecke, erreiche ich schließlich das von Touristen überströmte Gebiet rund um die Talstationen der beiden Seilbahnen. Wie auf einem Rummelplatz geht es hier zu. Entsprechende Fahrgeschäfte unterstreichen dieses Gefühl. Doch bereits wenige Meter hinter der  Talstation habe ich im Bodetal wieder Ruhe.  Einen schönen Waldweg geht es entlang der Bode immer tiefer ins Tal. Bis ich schließlich vor einem Biergarten mit Steinbrücke das Tal verlasse. Steil geht es einen von Felsen durchsetzten Bergpfad in unzähligen Serpentinen den Berg hinauf. Man hat das Gefühl, es will gar nicht mehr enden. Mit dem Wagen hätte ich hier absolut keine Chance gehabt. Außer auf dem Rücken.

Seilbahn über mir
Die wilde Bode
Wie in den Alpen. In Serpentinen Berg auf

Oben erwartet mich ein toller Blick in das Bodetal und auf die gegenüberliegende Rosstrappe. Ich überlege: Soll ich hier auf den Sonnenuntergang warten oder mir noch andere Stellen suchen? Nachdem noch einige Stunden bis zum Sonnenuntergang  vergehen werden, und sich im Umkreis von 4 km mehrere Stempelstellen der Harzer Wandernadel befinden, mache ich mich kurzerhand auf den Weg. Zwar handelt es sich bei den Wegen ausschließlich um breite Forstwege, aber die Abendbeleuchtung hat ihren Reiz. Kurz vor der Abbruchkante in das Bodetal wechselt der Wald seinen Charakter. Waren es vorher hauptsächlich Fichten, wo auch einige dem Orkantief Friederike zum Opfer fielen, so wachsen hier nun in erster Linie Eichen.

Schmetterling am Wegesrand
Bodetal im Abendlicht
Nur nicht aufgeben

In der Nähe vom Hexentanzplatz finde ich schließlich einen Platz, der mir zusagt. Ein Heißluftballon hat sich zwischenzeitlich auch auf den Weg ins Bodetal begeben, und fliegt nur wenige hundert Meter an mir vorbei. In der Sonne sitzend ,warte ich auf den Sonnenuntergang und schreibe weitere Berichte.  Nach und nach geht die Sonne unter, und ich beginne Aufnahmen zu machen. Der Brocken liegt in einem warmen orange-farbenen Licht.

Warten auf den Sonnenuntergang
Brocken im letzten Abendlicht

Als es dunkel wird, mache ich mich, mit der Stirnlampe bewaffnet, auf den Rückweg. Wieder geht es in unzähligen Serpentinen einen Bergpfad hinunter nach Thale. Am großen Parkplatz der Seilbahnen vorbei geht es Richtung Schrebergärten. Hier kommen auch gerade die Gäste des Heißluftballons an, wie mir das Auto mit Anhänger zeigt.

Als ich auf einer ehemaligen Eisenbahnbrücke die Bode überquere, kommt mir plötzlich ein Dachs entgegen gerannt. Nur 1 m von mir entfernt bleibt er stehen.  Durch Schnauben gibt er mir seinen Unmut kund, aber er lässt mich in Ruhe und rennt davon. Eine Rotte Wildscheine mit Frischlingen kreuzt mir kurz darauf ebenfalls den Weg. Na, hier ist ja was los! Müde und erschöpft krieche ich ins Bett.

Du kommst hier nicht durch!

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