Von See zu See bei heißem Wetter

Mi., 25.07.2018
Mücheln – Beuna – Zscherben – Merseburg –Löpitz- Luppenau
Kilometer: 32,8 km

 

Die Sonne brennt bereits am frühen Morgen unangenehm vom Himmel. Im Zelt hält man es ohnehin nicht aus, und daher packe ich schnell zusammen. Noch einmal ein kurzes Bad im See, dann geht es los. Immer im Uhrzeigersinn entlang des Geiseltalsees. Es bedeutet für mich jedoch, es geht hinauf, denn an der Nordseite geht es eine ehemalige Halde hinauf. Davon zu sehen ist jedoch nichts mehr. Toll, wie sich die Natur dieses Stück ehemaligen Tagebaus zurückerobert! Für Mensch und Natur ist hier ein tolles Flecken Natur entstanden!

Blick aus dem Zelt am Morgen
Landschaft wie in Schweden

Eine winzige Ringelnatter nutzt die Ruhe vor dem Sturm und sonnt sich auf dem Asphaltweg. Ein Foto will sie mir jedoch nicht gönnen. In einem Tempo, dass man ihr nicht zugetraut hätte, verschwindet sie im Dickicht.

Am höchsten Punkt angelangt, hat man einen wunderbaren Blick auf das komplette Gebiet. Infotafeln erläutern zudem die Entstehung des künstlichen Sees. Sehr interessant! An der Südseite der Halde wird sogar Wein angebaut. Ansonsten ist es eine großflächige Weide von Bullen, die allerdings tief unter mir im Tal grasen. Zahlreiche Schilder warnen jedoch vor ihnen.

Ausblick auf das gesamte Areal
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Sehr interessant!

Leider geht es nun in praller Sonne wieder den Berg hinab, Richtung Osten. Man merkt, dass es heute wohl besonders heiß wird. Die Hitze ist bereits zu dieser Zeit nicht vergleichbar mit den Vortagen. Ich habe daher nur ein Ziel: Weiter zum nächsten See. Der liegt nordöstlich von Merseburg und wird von mir fortan angepeilt.

Die Strecke bis Merseburg zieht sich jedoch wie Kaugummi, was auch an den geringen Beschattungen liegen mag. Meist in voller Sonne, geht es ostwärts. Kurz vor Merseburg, bremst plötzlich an einem Feldweg ein Auto neben mir, und ein Mann brüllt aus dem Auto: „Du bist falsch! Du bist falsch! Du musst da entlang!“ Ich bin ziemlich irritiert. Was will der Mann von mir? Der Mann fährt sein Auto an die Seite und teilt mir mit, dass der Jakobsweg in die andere Richtung verläuft. Ich muss lachen und kläre Dietmar auf, dass ich kein Pilger bin, sondern ohne religiösen Hintergrund durch Deutschland ziehe.

Dietmar klärt mich auf, dass hier auf der Strecke regelmäßig Pilger entlang ziehen. Viele auch mit einem Wagen wie ich. Aber eben Richtung Süden. Eigentlich schade, denke ich. Jetzt bin ich schon so lange unterwegs und auch immer wieder auf Pilgerwegen, aber gesehen habe ich außer Radreisenden noch keine anderen Wanderer.

Dietmar erzählt mir, dass er in einer Autowerkstatt arbeitet und nächstes Jahr in Rente geht. Wenn er Anfang des Jahres etwas früher in Rente gehen möchte, würde ihm der Staat aber sofort 200 € abziehen. Er konnte das erst gar nicht glauben. Er würde nur 1000 € verdienen, was aber im Osten in der Branche normal sei. Aber dementsprechend seien 200 € viel Geld für ihn. Daher würde er nun notgedrungen mit der Rente noch ein paar Monate warten müssen.

Er erzählt mir von Rhein in Flammen bei Bingen. Das hat er sich letztes Jahr gegönnt, mit einer Schifffahrt auf dem Rhein. Aber teuer sei das gewesen. Für die vier Tage, hätte er auch eine Woche Vollpension in der Türkei haben können, meint er.  Bei Merseburg hatte Hitler einen Kanal geplant, erzählt er mir. Auch ein Schiffshebewerk wurde realisiert. Doch dann ging das Geld aus. Der Kanal ist heute eine Sackgasse. Pläne, den Kanal doch umzusetzen, werden heute von den Grünen blockiert, sagt er.

Wir verabschieden uns, und ich laufe in die Innenstadt von Merseburg. Als ich einen Supermarkt verlasse und wie gegen eine Wand laufe, wird mir erst bewusst, wie heiß es wirklich ist! Wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist, gewöhnt man sich mit der Zeit daran. Die Altstadt selbst hat mir nicht so zugesagt, dafür umso mehr das Schloss und der Dom, die sehr schön erhalten sind. Als ich dort auf der Toilette meine Flaschen wieder auffüllen möchte, erschrecke ich ziemlich, als ich mein Gesicht im Spiegel erblicke. Meine Güte, ist meine Nase rot! Ich schmiere sie dick mit Sonnencreme ein und hoffe, nochmal mit einem blauen Auge davonzukommen. Eigentlich bin ich selbst schuld, denn seit Wochen habe ich mich nicht mehr eingecremt. Aber die aktuellen Temperaturen sind dann auch für meine Haut zu viel.

Schloss von Merseburg
Weitere Ansichten

An einem Kanal und anschließend durch ein Wäldchen geht es zum Walldendorfer See. Eine große Ringelnatter liegt in einer Wiese tot im Gras. Die scheint sich wohl ein Greifvogel geschnappt zu haben.

Ganz schöne Größe. aber leider tot

Als ich einem kleinen Pfad folge, stehe ich plötzlich vor Bahngleisen. Tja, wie soll ich mit dem Wagen nun da hinüberkommen? Ich schnappe ihn mir kurzerhand und trage ihn das Stück über die Gleise. Der nächste See, ebenfalls entstanden durch den Bergbau, ist erreicht. Auf der Karte hatte ich mir Strände vor vorgelagerten Inseln heraus gesucht. Doch auf dem Weg dorthin bemerke ich bereits, dass es hier voll ist. In jeder noch so kleinen Bucht sitzen Pärchen. Auch am Ziel angekommen, jeder noch so kleine Flecken am Wasser ist besiedelt. Und ich bin nicht alleine, der auf der Suche ist. Wie Tiere laufen die Leute die Buchten auf und ab, in der Hoffnung, dass da mal bald eine frei wird.

Schmale Pfaden enden…
… an Bahngleisen. Tragen ist angesagt

Na, das kann ja super werden.  Ich möchte eigentlich nur noch aus den Klamotten heraus und ins erfrischende Nass hinein. Aber nun heißt es wohl erst mal abwarten. Die Zeit verstreicht, und es wird nicht leerer, nein, immer mehr Leute kommen. Das gibt es doch nicht! Ich bin hier im Vergleich zum Morgen mitten in der Prärie. Woher kommen die alle? Die Sonne geht gerade unter, da leert es sich plötzlich schlagartig.

Entlang des Sees auf schmalen Wegen
Schöne Abendstimmung am See
Hat bereits der Vogelzug eingesetzt?

An der äußersten Landzunge beschließe ich zu bleiben. Ohne Zelt, einfach nur auf der Isomatte am Strand. Doch mit Einsetzen der Dunkelheit, scheint es sich im Umkreis von 5 km in der Stechmückenwelt herum gesprochen zu haben: Es gibt Frischfleisch! Eine ganze Armee fällt über mich her. Jeder möchte etwas abhaben. Ich baue daher in Windeseile mein Innenzelt auf und flüchte vor den Blutsaugern.

Sonne geht im Westen unter. Hier bleibe ich

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