Ein Großbrand und unbeabsichtigter Rekord

Mo., 30.07.2018
Lindennaundorf – Rückmarsdorf – Burghausen – Lützschena – Radefeld –Gerbisdorf –Delitzsch – Laue – Pouch -Schlaiz
Kilometer: 52,2 km

Nachdem für heute eine Rückkehr der Hitze angekündigt ist, klingelt mein Wecker schon um 5 Uhr. Ich möchte die kühle Luft am Morgen nutzen, um ohne Schwitzen voran zu kommen. Ich verlasse daher Lindennaundorf bereits kurz vor 6 Uhr, und an Pferdekoppeln vorbei, geht es nach Rückmarsdorf und weiter an einer Lindenallee entlang nach Burghausen.

Morgenstimmung

Hier schlängele ich mich durch die Wohnviertel, bis ich schließlich den Auenwald zwischen Lützschena und Burghausen erreiche. Landschaftlich ist es dort sehr schön! Leider sind bereits zu dieser Zeit die Stechmücken sehr aktiv. Der Regen der letzten zwei Tage scheint ihnen auch gut getan zu haben.

Nach überqueren der „neuen Luppe“, betrete ich den Schlossgarten von Lützschena. Eine schöne Lindenallee führt auf das Schloss zu, das sich allerdings weniger imposant präsentiert. Ich nutze eine schattige Bank für eine kleine Pause. Nach Überqueren eines Mühlgrabens und Umrunden des Schlosses, stehe ich auch schon im Ort. Immer geradeaus geht es unter mächtigen Platanen, die zur Zeit ihre Borke verlieren, hoch zum Bahndamm. Ein lautes Donnergrollen kann ich zuerst nicht zuordnen, bis mir einfällt, dass ich mich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen befinde.

Der Schlosspark von Lützschena

Entlang einer Landstraße passiere ich kurz darauf auch die Landebahnen Süd und Nord. Große Maschinen von DHL landen hier und werden zum zugehörigen Frachtbereich navigiert.

Maschinen für DHL landen wenige Kilometer entfernt

Als ich die Autobahn A14 überquere, erblicke ich in der Ferne eine dünne Rauchsäule. Ob da wohl ein Feld brennt? Ich werde es bald erfahren, denn mein Weg führt mich genau in diese Richtung. Kurz vor Gerbisdorf hat sich die kleine Rauchsäule in eine mächtige, schwarze, vulkanartige Wand verwandelt. Zwar immer noch viele, viele Kilometer von mir entfernt, aber der Wind treibt die obere Schicht immer mehr in meine Richtung. Was auch immer da brennt, es muss etwas gewaltiges sein.

Oh oh, was brennt da wohl!

In der Ferne sind mittlerweile auch die Sirenen in den Orten angegangen, und man sieht auch schon die ersten Feuerwehren bei der Anfahrt. Was soll ich tun? Mein Weg führt genau in diese Richtung. Solange ich nicht weiß, was da brennt, möchte ich aber ungern dort weiter laufen. Die tiefschwarze Farbe lässt eigentlich eher Ungesundes befürchten. Ich frage Katharina und später auch meine Familie um Rat. Meine Datenvolumen sind aufgebraucht, daher kann ich nicht selbst im Internet nachschauen. Kurz darauf bekomme ich eine Rückmeldung. Es brennen Plastikballen in einer Firma: Großbrand.

Also da möchte ich ungern hineinkommen. Ich schlage daher eine neue Richtung ein, weg von dem Wolkenband in der Höhe. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Denn zum einen ist nicht immer ein Weg in eine andere Richtung sofort vorhanden, zum anderen dreht der Wind immer wieder seine Richtung. Mit der Folge, dass sich die Rauchfahne mal links, mal rechts von mir befindet. Anhand meiner Karte habe ich mittlerweile den Brandort lokalisieren können. Zwei große Seen kanalisieren nun jedoch alle Wege und ein Ausweichen wird noch einmal erschwert. Allerdings hat die Rauchsäule mittlerweile eine deutlich blassere Farbe bekommen und scheint auch zunehmend in sich zusammenzufallen. Die Arbeit der Feuerwehren scheint wohl langsam zu fruchten. Eine etwaige Geruchsbelästigung kann ich auch nicht feststellen. Dafür entdecke ich auf dem Weg Aschepartikel. Nicht auszudenken, wenn in dieser Trockenheit ein noch glühendes Stück Asche einen weiteren Brand auslöst. Doch die Partikel müssen vom Höhepunkt des Brandes stammen. Denn aktuell fällt nichts mehr vom Himmel.

Altes Schaufelrad
Blick auf den nächsten See

In Delitzsch angekommen fahren zig Feuerwehren immer wieder mit Blaulicht und Martinshorn durch die Straßen. Auch der Katastrophenschutz ist unterwegs und führt Messungen durch. Ich befinde mich jedoch in Sicherheit, da ich mich mittlerweile im Windschatten des Brandes befinde. Zwei Polizisten, die eine Straße sperren, fragen mich, ob es nicht zu heiß zum Wandern sei. Doch, entgegne ich, aber ich kann es mir ja schlecht aussuchen. Woher ich komme, will der eine wissen. Als er es erfährt, ist er ziemlich erstaunt. Ob ich durch alle Bundesländer möchte, will er noch erfahren.

Ich frage nach dem Brand, ob eine Gefahr für mich bestand. Da brennt halt Plaste, meint der Jüngere. Gesund ist das nicht. Der ältere Polizist meint jedoch, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestand und mittlerweile sei auch alles unter Kontrolle. Wir verabschieden uns, und ich ziehe weiter in die Innenstadt von Delitzsch.

Dort angekommen, halte ich mich jedoch nicht lange auf. Es ist mittlerweile so heiß geworden, dass ich einfach nur noch ans Wasser möchte. Dabei hat das kleine Städtchen durchaus seinen Charme.

Innenstadt von Delitzsch

Ich verlasse Delitzsch Richtung Nordosten auf schnurgeraden Straßen Richtung Laue, landschaftlich mal wieder sehr an die Strecke Gotha-Erfurt erinnernd. Denn außer Kartoffeln gibt es hier nichts. Zwar wächst auf der rechten Seite der Straße ein Streifen Obstbäume, doch zu dieser Zeit steht die Sonne so hoch, das keiner der Bäume Schatten wirft.

Auch nach Laue und Erreichen der Seen, sieht es mit Schatten eher mau aus. Die Bäume entlang des Weges sind einfach noch zu jung und zu klein. Hinzu kommt, dass sich um den Seelhausener See ein Kanal zieht.  An das Wasser kommt man also auch nicht wirklich. Vielleicht sieht es am Großen Goitzschesee besser aus.

Wege durch eine an sich schöne Landschaft
Wenn es nur nicht so heiß wäre

Durch einen Kiefernwald, durchsetzt mit einigen Birken, geht es immer an den Seen entlang. Mal hoch, dann mal runter, aber in der Regel auf einer Höhe. Man hat einige Ausblicke auf den Großen Goitzschesee, doch wirklich an das Ufer und damit an das Wasser kommt man nur selten und wenn dann illegal. Landschaftlich hätte der Weg hier durchaus seinen Reiz. Manchmal kommt man sich vor wie in Skandinavien. Bei der Hitze kann man sich jedoch kaum darauf konzentrieren. Stellenweise zieht es sich dahin wie Kaugummi. Ich hoffe, dass diese Hitze endlich mal wieder aufhört. Mittlerweile habe ich übrigens Sachsen verlassen und befinde mich nun wieder in Sachsen-Anhalt.

In Pouch angekommen, überlege ich, was ich machen soll. Auf meiner Karte ist eine Schutzhütte am Muldestausee eingezeichnet, und die Schutzhütten hier sahen bisher alle prima aus. Vielleicht kann ich da die Nacht verbringen und mich am See waschen. Denn verklebt bin ich mittlerweile von Kopf bis Fuß. Im Ort werde ich mal wieder von einem Anwohner darauf angesprochen, ob ich angeln war. Er zeigt dabei auf meinen Wagen. Das ist bei weitem kein Einzelfall. Immer wieder werde ich mit meinem Wagen und dem blauen Packsack für einen Angler gehalten, der scheinbar hinter sich die Fische heimzieht.  Als ich den Irrtum aufkläre, fängt der Mann schallend an zu lachen und schüttelt den Kopf. Da hätte ich mir ja bestes Wanderwetter ausgesucht, meint er frotzelnd. “Na, dann noch viel Spaß!” meint er und verschwindet in seiner Garage. Ich, verklebt, durstig und auf der Suche nach einem Schlafplatz, denke mir mein Teil. Es gibt eben Solche und Solche. Aber auf solche Sprüche kann ich gerade echt verzichten.

Nach Überqueren der Muldebrücke muss ich leider feststellen, dass die Mulde grasgrün ist. Der Eintrag von Cyanobakterien in den Stausee muss enorm sein. Ein Waschen mit dieser Brühe ist eher abzuraten, wenn nicht sogar eine Gesundheitsgefahr. Tja, was nun? Ich habe auch nicht wirklich viel Wasser dabei, um meine provisorische Dusche durchzuführen. Ich schaue noch einmal auf die Karte und entdecke einen Campingplatz am Ufer. Zur Not eben da. Hauptsache Duschen. Aber erst einmal will ich die Hütte anschauen, vielleicht bleibe ich auch dort, um Geld zu sparen.

Das schöne Muldetal
Mit der Mulde

Auf einem sandigen Weg geht es durch einen dichten Kieferwald entlang des Stausees. Eigentlich zu dieser Zeit volle Sonnenseite, doch Dank der Kiefern laufe ich im Schatten. Den Nachteil in Form eines völlig verwachsenen Blickes auf den See nehme ich aufgrund meines Zustandes in Kauf. Ich mache mir nichts vor, heute wird wohl ein neuer Rekord aufgestellt. Ich habe zwar nach dem Defekt meines GPS-Gerätes keinen Zugriff mehr auf die Daten von unterwegs, aber rein von der Laufzeit und vom groben Überschlagen komme ich auf eine Distanz von über 50 km. Das wäre bei der Hitze schon etwas krank! Aber so ist es eben manchmal.

Sandige Wege durch den Kiefernwald. Endlich Schatten

An der Hütte angekommen, beschließe ich, doch den Campingplatz zu nehmen. Zwar ist diese durchaus in einem guten Zustand, aber allein der Gedanke, am Abend ungeduscht bei dem warmen Wetter auf meiner Matte zu liegen, lässt mich vor Ekel weiterlaufen. Ganz egal, was der Campingplatz nun kosten wird, ich will duschen.

Die Schachtbaude am Muldenstausee

Als ich kurz vor 20 Uhr den Platz erreiche, ist zum Glück noch Personal vor Ort. Mit unter 11 € auch ein humaner Preis!  Weniger schön ist da eher die Auskunft des Mannes an der Rezeption, dass es morgen noch heißer werden soll. So langsam aber sicher geht mir diese Wetterlage auf den Keks! Mal eine Woche kühlen Dauerregen als Ausgleich…., wahrscheinlich würde ich mich dann auch wieder nach dieser Hitze sehnen.

Ein Gedanke zu “Ein Großbrand und unbeabsichtigter Rekord”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.