Entlang des Truppenübungsplatzes Oberlausitz nach Nordosten

Do., 16.08.2018
Hoyerswerda – Burg – Burghammer – Burgneudorf – Neustadt/Spree – Mulkwitz – Schleife – Halbendorf
Kilometer:  36,4 km

Mancher wird sich wahrscheinlich nach dem Lesen des gestrigen Beitrags gefragt haben, warum ich unbedingt nach Hoyerswerda wollte. Der Grund ist bei meiner derzeit etwas angespannten Stromsituation zu suchen. Mein Besuch bei McDonalds hatte mir zwar etwas Zeit gegeben, aber in spätestens zwei Tagen werde ich wieder dasselbe Problem haben.

Ich bin daher auf die schlaue Idee gekommen, auch in Hoyerswerda den McDonalds zu besuchen, um so nach und nach meine Akkus wieder zu füllen. Es hat ja bisher immer ganz gut funktioniert. Um Akku zu sparen und schon mit einer möglichst guten Ausgangssituation in den Ladeprozess zu starten, habe ich auch am Abend zuvor keinen Bericht angefertigt. Den kann ich dann ja während des Ladens des zweiten Akkus anfertigen, denke ich mir. Auch die Powerbank habe ich seit dem Besuch der letzten Filiale nicht mehr angerührt. Vielleicht wird diese dann auch fast voll. Mit diesem Vorsatz starte ich kurz vor 9 Uhr zu der nahe gelegenen Filiale. Diese öffnet hier erst um 9 Uhr, was für mich zwar bedeutet, dass ich wohl erst mittags hier wieder wegkomme, aber Hauptsache ist, dass ich dann wieder Strom habe.

Als ich den Schnellimbiss erreiche, setzt jedoch schnell Ernüchterung ein: Bei der Filiale handelt es sich noch um eine mit alter Einrichtung. Steckdosen für Kunden sucht man hier vergebens. Und die einzige vorhandene Steckdose, seitlich der Theke, wird gerade von Mitarbeitern der Filiale für einen Hochdruckreiniger benutzt, mit dem draußen ein Rutschenturm gesäubert wird. Nun gut, dieser Plan ging ja dann mal gründlich in die Hose! Ich bestelle mir dennoch einen Kaffee und setze mich hin. WLAN ist immerhin vorhanden! Knapp zwei Stunden bleibe ich hier und suche im Internet nach Alternativen. Gibt es noch andere Ketten, bei denen man als Kunde seinen Laptop laden kann? Es sieht eher schwierig aus, erst recht in einer eher dünn besiedelten Region! Ich beschließe daher, Campingplätze auf meiner Route heraus zu suchen. Wenn ich über Nacht wieder einmal alles komplett volllade, bin ich wieder für eine Woche autark. Schließlich finde ich etwas und mache mich kurz vor 11 Uhr wieder auf den Weg. Es ist mal wieder heiß geworden! Und das um diese Uhrzeit! Diese Hitze geht mir gewaltig auf den Keks! Aber ein Abbrechen meiner Reise kommt für mich wegen Hitze oder Kälte nicht in Frage. Wenn ich mir einmal etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich das auch durch! Da ist mein Ehrgeiz zu groß! Außerdem habe ich ja auch trotz der Wärme viel Freude an der Reise. Außerdem wird diesem Spiel so langsam aber sicher ohnehin der natürliche Saft abgedreht: Es wird abends bereits nach 20.30 Uhr dunkel und auch morgens wird es immer später hell.

Innenstadt von Hoyerswerda

Ich verlasse Hoyerswerda anfangs, wie ich es am Vortag betreten habe. Nach Überqueren der Schwarzen Elster orientiere ich mich jedoch mehr in Richtung Krankenhaus. Hier fülle ich kurz darauf auch alle meine Flaschen wieder mit Wasser auf. Nur wenige Minuten später bin ich bereits wieder auf schmalen asphaltierten Radwegen in einem dichten Kiefernwald unterwegs.

Zur Zeit eigentlich ein täglicher Anblick. Aber ich mag diese Wälder!

Vorbei geht es am Scheibesee, der durch den Kiefernwald jedoch nur gelegentlich zu sehen ist. In Burg angekommen, führt mein Weg an Pferdekoppeln entlang in Richtung Westen, um sogleich wieder nach Norden abzubiegen. In der Ferne sehe ich bereits ein Ehepaar wandern, das immer mal wieder stehen bleibt und sich umdreht. Als ich die beiden kurz darauf eingeholt habe und freundlich grüße, möchte der Mann wissen wie viele Kilometer ich bereits insgesamt gelaufen bin. Ich nenne ihm die 1500 km, und wir kommen ins Gespräch. Gemeinsam laufen wir den schönen Radweg weiter. Gunter und seine Frau kommen aus Tschechien. Er ist Deutscher, seine Frau Tschechin, sie wohnen beide seit 30 Jahren in der Nähe von Prag. Freunde und Nachbarn haben Ihnen von der Gegend hier vorgeschwärmt, sodass sie beschlossen haben, hier Urlaub zu machen. Heute haben sie den Bernsteinsee umrundet, was einer Strecke von etwa 15 km entspricht. Von Gunter erfahre ich, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, denn vor 14 Jahren hatte er einen sehr schweren Verkehrsunfall, in den er unverschuldet hinein geraten ist und schwer verletzt wurde. Er feiert sozusagen dieses Jahr seinen 14. Geburtstag, erzählt er mir. Seine Erzählungen berühren mich sehr! Auf einer Straße kam es zum Frontalzusammenstoß. Er kann sich an den Unfallhergang bis heute nicht erinnern, ist erst im Krankenhaus aufgewacht. Dort hat er auch erfahren, dass der Unfallverursacher weniger Glück hatte und verstorben ist. Dieser muss laut Polizei auf Gunters Spur gekommen sein. Ihn trifft also keine Schuld! Aber Gedanken macht man sich gerade anfangs schon, gibt er zu. Warum er nicht reagiert hat und ausgewichen ist, beschäftigt ihn auch heute immer wieder einmal. Er fährt heute anders Auto, und man lebt sein Leben auch intensiver. Er habe sein Leben lang immer hart gearbeitet, und jetzt habe er auch das Gefühl, er müsse einiges noch erleben. Er zeigt mir seine Narben an Armen und Beinen. Dass er heute wieder so unbeschwert durch die Natur laufen kann, hätten viele auch nicht gedacht. Doch er habe schon damals im Krankenhaus gesagt, er wolle wieder laufen. Dieser Wille ist für einen Heilungsprozess auch unheimlich wichtig, denke ich.

Gunter mit seiner Frau.

In Burghammer angekommen, trennen sich wieder unsere Wege. Es war toll, die beiden kennengelernt zu haben, und wir tauschen unsere Visitenkarten aus. Ich sei herzlich bei Ihnen eingeladen, falls ich einmal in Tschechien unterwegs sein sollte. Das freut mich sehr! Wir verabschieden uns, und ich laufe einen Hügel hinauf in den Wald.

Durch einen Kiefernwald geht es wenig später hinab in ein schönes Tal. Intensiver Brandgeruch lässt mich wachsam werden. Nach meinen Erfahrungen mit dem Heidebrand vor etwas mehr als einer Woche, bin ich in dieser Richtung nun noch vorsichtiger geworden. Doch auch nach längerem Ausschau halten kann ich nichts Gefährliches entdecken.

Eine Birkenallee

Nach Unter- und Überqueren zahlreicher Bahnlinien geht es nun für mich am Nordrand eines Truppenübungsplatzes in Richtung Osten. Das Tal gefällt mir sehr gut! Auffällig ist nur das rostrote Wasser der Flüsse, als ob es hier mehrere Tage geregnet hat! In Wahrheit wird es sich aber wohl um das abgepumpte Wasser aus den Bergwerken handeln. Denn in meiner Richtung liegt auch der Tagebau Nochten.

Braunrotes Wasser in den Flüssen
Tolles Tal
Immer wieder kreuzen Bahntrassen der Kohlebahn meine Route
Zahlreiche Rastplätze entlang der Strecke

Während ich so durch die Wälder und Wiesen laufe, muss ich an die zahlreichen Wölfe denken, die hier in der Gegend leben. Erst gestern hatte ich von einem Fall gelesen, der nur wenige Kilometer von meinem letzten Übernachtungsort stattgefunden hat. Angst habe ich vor Wölfen nicht, Respekt aber schon! Ich bin gespannt, ob ich überhaupt auf meiner Reise bis auf das Wolfsgeheul bei Treuenbrietzen einem Wolf begegnen werde!

In Neustadt an der Spree angekommen, führt mich ein Weg an einer leeren Landstraße entlang nach Norden. In Mulkwitz ziehen in der Ferne mehrere Kohlezüge an mir vorbei, vermutlich auf dem Weg ins Kraftwerk Boxberg. Über Felder und Wiesen geht es durch die mittlerweile abendliche Stimmung. Auffallend sind hier die zahlreichen Klinkerhäuser: Jedes ist auf seine Art durch eine Klinkerreihe verziert.

Kleine Dörfer eingebettet in die Wiesenlandschaft
Auffallend sind die tollen Backsteinhäuser!
Abendliche Stimmung

Hinter Schleife erreiche ich schließlich den Halbendorfer See, an dem am Nordufer mein Campingplatz für die Nacht liegt. Hier komme ich schließlich auch an Strom, um meine Geräte wieder aufzuladen.

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