Wegbegleitung und der nahende Herbst

Mo., 03.09.2018
Meinersdorf – Thalheim – Hormersdorf – Tannenberg – Annaberg
Kilometer: 30 km

Als ich am Morgen gegen 7 Uhr erwache, erwartet mich das gleiche Wetter wie am Abend zuvor: Dichter Nebel und keine Chance auf einen Ausblick! Immerhin gab es keine Gewitter! Ich drehe mich daher um und döse noch einmal eine halbe Stunde. Anschließend packe ich alles zusammen. Das klatschnasse Außenzelt – es hat in der Nacht noch einmal geregnet – kommt in eine separate Tüte. In der Hütte bereite ich mir zwei Tüten von Renés heißer Schokolade zu. Das tut gut! So langsam aber sicher bekommt man zu spüren, was Herbst heißt. Auch die Klamotten sind zunehmend klamm.

Die Sicht ist heute nicht besser

Ich mache mich gegen 10 Uhr auf den Weg Richtung Thalheim. Dazu geht es ein Stück zurück bis zur Straße und dann auf einer Höhe entlang des Kamms. Währenddessen setzt wieder leichter Regen ein. Als ich auf mein Handy schaue, bemerke ich, dass mich eine unbekannte Nummer angerufen hat. Das kann ja eigentlich nur Norman sein. Ich rufe zurück und tatsächlich, es ist Norman, der mich trotz des Regenwetters ein Stück begleiten möchte. Wir verabreden uns in etwa einer Stunde beim Supermarkt in Thalheim.

Ich gehe jedoch erst einmal einen asphaltierten Weg – allerdings in ziemlich schlechten Zustand – den Berg hinab. Kurz vor Thalheim ziehe ich mir an einer Schutzhütte dann auch Regenkleidung an. So wie es aussieht, regnet es sich ein.

Als ich nach der Kasse meine Sachen in den Wagen verstaue, kommt Norman auf mich zu und lädt mich beim angeschlossenen Bäcker zu einem Kaffee ein. Während es draußen immer kräftiger regnet, erzählt er mir von einem Benefizkonzert in Chemnitz, das heute anlässlich der Vorkommnisse in dem Ort spontan von einigen bekannten und weniger bekannten Bands in die Wege geleitet wurde. Dort würde er am Nachmittag mit einem Freund hingehen. Aber 2 bis 3 Stunden habe er Zeit, mich zu begleiten. Der Regen würde ihm nichts ausmachen. Er erzählt mir, dass er auch viel läuft, auch durchaus mal bis an seine Grenzen gehend.  Über 50 km am Tag habe er auch schon gemacht.

Als wir kurz darauf los ziehen, hat der Regen nachgelassen. Laut Niederschlagsradar soll auch nicht mehr viel nachkommen. Durch kleine Straßen gehen wir abseits der Hauptstraße durch den Ort. Nach Überqueren der Bahnlinie geht es einen leicht geschotterterten Feldweg an der Bahnlinie entlang. Wir unterhalten uns in erster Linie über die politische Situation in Sachsen. Ich erzähle ihm von meinem Erlebnis bei Rothenburg mit den seltsamen Typen und der Verfolgung. Ansonsten bin ich bis jetzt zum Glück relativ wenig mit dem Thema in Berührung gekommen.

Als wir den Waldrand erreichen, entdecken wir an einem Bachlauf eine tolle Miniaturlandschaft von Thalheim. Durch Wasserkraft angetrieben, sind zahlreiche Häuschen auch betrieben. Dort dreht sich ein Karussell, hier hämmert jemand in der Werkstatt. Ich bin begeistert, und auch Norman, der sich in der Gegend eigentlich recht gut auskennt, ist dieses Kleinod bisher entgangen. Nachdem wir eine kleine Spende in einen angebrachten Kasten eingeworfen haben – auch hier bedankt sich ein Männchen durch einen Mechanismus!  – gehen wir weiter den Waldweg durch das Tal, leicht ansteigend und auf Schotterwegen. Wir kommen auf das Thema Arbeit zu sprechen: Wie viele Menschen in ihrem Alltagstrott gefangen sind, sich selbst verlieren und vernachlässigen. Norman scheint das Thema auch nachdenklich zu machen.

Miniatur -Thalheim

Als wir einen kleinen Teich im Wald erreichen, verabschieden wir uns. Norman muss wieder zurück zu seinem Auto, und ich steige weiter den Berg hinauf.

Es geht aufwärts durch den Fichtenwald

Es hat mich sehr gefreut, dass Du ein Stück mitgelaufen bist! Vielleicht sieht man sich ja wieder!

Auf einem zunehmend anspruchsvolleren Weg gehe ich nun kräftig bergauf. Als ich den Wald verlasse und über eine Wiese den Berg hinauf schnaufe, machen sich einmal wieder die sehr positiven Eigenschaften meiner Merinowäsche bemerkbar: Als ich nämlich oben am Gipfel ankomme, ist mein Rücken durch den Rucksack klatschnass. Ein kalter Wind tut sein Übriges. Doch ich muss nur meinen Merino-Pullover drüber ziehen, und sofort ist es mir warm! Und als ich diesen wenig später wieder ausziehe, ist das Merino-T-Shirt darunter wieder trocken.

Nun laufe ich bergab nach Hormersdorf. Hier gehe ich durch kleine Straßen zwischen den Häusern hindurch den Berg wieder hinauf. Am Ende der Straße biege ich auf einen Wiesenweg ab, der mich weiter steil nach oben zum Wald führt. Als ich diesen schließlich erreiche, habe ich mit knapp 700 m Höhe vorerst alle Steigungen hinter mir.

Schöner Blick von knapp 700 m Höhe nach Nordwesten

Auf einem steinigen, aber dennoch gut befahrbarem Weg wandere ich an einem Hochmoor vorbei. Ursprünglich gab es dort offenbar einmal einen Steg. Aber dieser ist nun gesperrt, und ein Aussichtsturm steht einem zur Verfügung. Aufgrund der Nässe muss ich auf dem rutschigen Holz ziemlich aufpassen.

Holzstege an einem Hochmoor. Das Moor selbst ist sehr zugewachsen.

Weiter geht mein Weg durch einen schönen Fichtenwald leicht bergab zu einer Forststraße. Dem Schotterweg folge ich in Richtung Osten, bis ich schließlich auf einer kleinen, asphaltierten Straße lande. Dieser folge ich mehrere Kilometer über eine Landstraße hinweg bis zu den imposanten Granitfelsen „Greifensteine“. Eigentlich hatte ich vor, diese zu besteigen, was durch eine Treppe an der Seite auch möglich wäre, aber mir fehlt der Euro für das Drehkreuz. Es ist auch nicht möglich, Geld zu wechseln, da sowohl das Restaurant, die Touristinformation und das Hotel geschlossen sind. Ich habe ausgerechnet den Ruhetag erwischt! Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als von unten Bilder zu machen.

Leider nur von unten, und selbst der Weitwinkel des Smartphones kommt da an seine Grenzen!

In Richtung Süden steige ich anschließend einen zum Teil etwas felsigen Weg hinab ins Tal. Motorsägen heulen auf, und in unmittelbarer Nähe rauscht eine große Fichte zu Boden. Na, die werden ja hoffentlich wissen, was sie machen und rechtzeitig den Weg vor mir sperren, denke ich mir. Doch es fallen keine weiteren Bäume neben mir um. Dafür stoße ich auf einen tollen Bachlauf, der in einem Kanal am Wanderweg entlang führt. Immer auf einer Höhe fließt der abgeleitete Kanal in Richtung Osten. Doch irgendwann muss ich den Weg leider verlassen, da ich mich wieder mehr in Richtung Süden orientieren möchte. Am natürlichen Bachlauf folge ich auf Waldwegen durch ein schönes Tal. Immer wieder laden Stollen zum Erkunden ein. Doch in der Regel sind nur die ersten 15 m zugänglich.

Entlang des Greifenbach geht es bergab
Oberhalb am Hang ein schöner Kanal, der zu Bergbauzwecken genutzt wurde.
Zahlreiche Stollen sind hier zu besichtigen
Da krieche ich natürlich rein

Immer weiter folge ich dem Bach und wasche schließlich nach Überqueren einer Landstraße im Wald an einer Furt mein verschwitztes T-Shirt aus. Noch ein Vorteil von Merino: Man kann einfach solange Wasser durch durch das T-Shirt laufen lassen, bis nur noch klares Wasser durch kommt. Danach lässt man es trocknen und hat wieder ein sauberes T-Shirt. Mit frischem T-Shirt geht es weiter durch den Wald. Mittlerweile hat sich sogar die Sonne durch die Wolken gekämpft, und es ist warm geworden.

Auch an einer Skisprungschanze komme ich vorbei

Als ich schließlich Tannenberg erreiche, biege ich zuerst nach links ab. Doch der angedachte Übergang über die Zschopau entpuppt sich als Privatgrundstück. Ich drehe daher um und nutze eine Brücke in Tannenberg. Die Zschopau überquere ich damit ein zweites Mal. Zuletzt geschah dies in Frankenberg.

Weg Richtung Tannenberg

Entlang der Straße gehe ich durch den Ort. Laut Karte soll nach rechts ein Wanderweg abbiegen und steil den Berg über eine Wiese ansteigen. Einen Weg finde ich schließlich auch, jedoch sieht dieser für mich wie eine private Hofzufahrt aus. Ich versuche dennoch mein Glück und steige zu dem Hof am Hang hinauf. Als ich diesen gerade erreicht habe, kommt von hinten ein VW-Bus den Berg hoch gefahren, überholt mich und parkt vor mir am Haus. Ein junger Mann steigt aus, und ich frage ihn um Rat. Er teilt mir mit, dass hier ständig Wanderer hoch kommen, dass der Wanderweg jedoch einen Hof weiter den Berg hinauf führen würde. Die Hofbewohner hier finden es auch unklar gelöst, dass der Wanderweg nicht bei ihnen durchführen würde. Aber eine Kuhweide würde von Zeit zu Zeit den Weiterweg versperren, so auch aktuell. Wenn ich damit kein Problem hätte, könnte ich einfach über die Weide weiterlaufen. Doch im Hinblick auf die bisher immer wieder gleichen Reaktionen von Kühen auf meinen Wagen, verzichte ich lieber darauf. Ich bedanke mich und steige wieder hinab ins Tal, um dort ein Stück der Straße zu folgen und bei der Abzweigung zum nächsten Hof mein neues Glück zu versuchen. Und hier ist nun sogar der Wanderweg wieder ausgeschildert! Erneut geht es steil den Berg hinauf. Doch bei den Häusern stehe ich vor einer privaten Hofeinfahrt, die deutlich durch ein offenes Tor gekennzeichnet ist. Ich drehe daher um, versuche es links um das Haus herum und lande in einem Garten. Das gibt es doch nicht! Ich drehe erneut um, laufe wieder rechts um das Haus herum zu der Hofeinfahrt. Ich beschließe, in den Hof zu laufen, zu klingeln und nachzufragen, wo es hier weiter geht. Doch da entdecke ich direkt am Haus einen Trampelpfad. Als ich diesem ein Stück durch den Garten folge, stehe ich wieder auf einem Grasweg zwischen den Viehweiden. Das ist ja wirklich verwirrend hier!

Auf einem Wiesenpfad geht es weiter

Auf einer Höhe führt mich der Weg zum Wald, vorbei an einem Wildgehege. Als ich kurz darauf in ein Tal absteige, habe ich einen Lehrpfad erreicht, der mich auf einem sehr anspruchsvollen Weg – Wurzeln und Felsen sei Dank! – steil den Berg hinauf an einem schönen Bergbach entlang führt. Oben stehe ich am Eingang des Naturschutzzentrums Erzgebirge, das jedoch schon geschlossen ist.

Anspruchsvolle Wege an einem Lehrpfad

Auf einer kleinen Straße laufe ich immer weiter den Berg hinauf. Das Wetter ist inzwischen immer besser geworden. Oben habe ich einen herrlichen Blick auf Annaberg-Buchholz und die umgebende Landschaft! Am höchsten Punkt baue ich mein Zelt neben einer massiven Schutzhütte auf, setze mich auf einen Granitblock und genieße den Ausblick. Der Fichtelberg im Süden ist noch von Wolken verhangen. Er wird mein nächstes Ziel in den nächsten zwei Tagen sein. Trotz der massiven Steigungen im Erzgebirge bereue ich es nicht, hier her gekommen zu sein. Eine wunderschöne Landschaft liegt vor mir, und das Wetter wird an den nächsten Tagen auch besser werden.

Toller Blick auf Annaberg

Als ich es mir gerade so richtig gemütlich machen und Katharina anrufen möchte, kommt mit quietschenden Reifen ein Auto den Berg hoch gefahren und parkt 5 m neben mir. Mehrere Jugendliche springen heraus. Immer mehr Autos kommen den Berg hinauf, zum Teil fahren sie mit Vollgas vorbei. Damit hatte ich hier oben nicht gerechnet. Hoffentlich bleiben sie nicht die halbe Nacht! Doch ich habe Glück! Nach einer Stunde fahren alle wieder weg, und ich habe meine Ruhe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.