Aufbruch und schlechte Laune

So., 21.10.2018
Rosenheim – Aisingerwies – Aising – Nicklheim – Spöck – Kleinholzhausen – Sterntaler Filze
Kilometer: 20,2 km

Heute geht es weiter! Dieser Entschluss steht bereits seit dem letzten Abend fest. Doch bis ich schließlich loskomme, ist es 11 Uhr. In Ruhe frühstücken wir erst mal zusammen. Die Bahn fährt heute nur im 1-Stunden-Takt, und den letzten Zug habe ich knapp verpasst. Meine Motivation hält sich außerdem heute auch in Grenzen.

Kurz vor 11 Uhr ist es aber dann schließlich soweit. Ich verabschiede mich von meiner Schwester und meinem Schwager und mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Noch einmal herzlichen Dank für die erneute Aufnahme und Eure Unterstützung!

Meine Gastgeber Barbara und Sebastian (Foto: Sebastian)

Da ein Aufzug in Übersee am Bahnhof fehlt, muss ich erst einmal mit meinem Wagen die Treppen hinab in die Unterführung und hinüber an das andere Gleis. Das klappt aber dank der neuen stabilen Deichsel ganz gut. Ein junger Mann hilft mir dann, den Wagen die Treppe wieder hinauf zu tragen.

Ich habe mich dazu entschieden, nicht zurück nach Aschau zu fahren, sondern direkt weiter nach Rosenheim. Einerseits verliere ich mit der Verbindung nach Aschau weitere Zeit, andererseits graust es mir schon beim Gedanken, den Wagen wieder in den Zug hieven zu müssen. So viel werde ich in der knapp 20 km breiten Lücke nicht verpasst haben!

In Rosenheim gehe ich unter dem Bahnhof hindurch an die Südseite der Gleise. Durch einen Aufzug komme ich prima voran. Nachdem ich die Mangfall überquert habe, laufe ich an ihr ein Stück entlang. Weit bin ich nicht gekommen, da stört mich bereits mein genähtes Gurtband. Das muss ich noch einmal neu befestigen. Ich habe gerade das Band entfernt, da kommen zwei Männer und eine Frau vorbei und sprechen mich auf meinen Wagen an. Es entwickelt sich ein längeres Gespräch über meine Reise. Sie geben mir noch Tipps, wo man in den Bergen in Richtung Garmisch noch ganz gut mit meinem Wagen vorankommen kann, dann gehen sie weiter.

Ich widme mich wieder meinem Gurtband und wickele es neu um den Griff der Deichsel. Vielleicht klappt es so besser. Durch den Neubau ist der Wagen schwerer geworden. Und das bemerke ich deutlich an meinem Hüftgurt. Ich überquere wieder die Mangfall – die erste Überquerung scheint ein Kanal gewesen zu sein – und laufe nach Aisingerwies hinein.

Die Mangfall wird überquert

Ich durchquere den Ort und lande an einer größeren Straße, die mich nach Aising hineinführt. Als ich an einem Italienischen Restaurant vorbei komme, und sein Schild entdecke, das Werbung für Pizza für nur 5 € macht, kehre ich kurzerhand ein und bestelle mir eine Pizza Salami. Nach 20 Minuten verlasse ich mit der Pizza in der Hand wieder das Restaurant und laufe weiter durch den Ort. Da ich keine Sitzbank finde, esse ich die Pizza kurzerhand im Gehen. An einem Zirkus vorbei, verlasse ich den Ort über Feldwege. Mittlerweile hat sich der Hochnebel aufgelöst, und zum ersten Mal seit drei Tagen sind auch die Berge wieder zu sehen.

Seit mehreren Tagen wieder Sonne

An Erdbeerfeldern und Wiesen vorbei, gehe ich bis zur A8. Diese überquere ich wenig später und folge ihr hier für knapp 1 km. Dann biege ich jedoch auf einem kleinen Sträßchen nach Süden ab. Durch einen Moorwald laufe ich weiter nach Süden, bis ich schließlich Nicklheim erreiche. Hier biege ich über Wiesen in einen Moorlehrpfad ab, der mich parallel zu einer alten Moorbahn ins Moor führt. Auf schmalen, mit Kies befestigten Pfaden geht es immer weiter hinein ins Moor, bis ich schließlich an einem Moorsee auf eine Aussichtsplattform treffe. Hier ist viel los, kein Wunder, bei dem schönen Wetter heute und einem Sonntag!

Auf schmalen Wegen geht es durch das Moor
Vorbei an einer alten Torfbahn
Brücken müssen überquert werden
Blick ins Moor und den Torfsee

Auf einem breiteren Weg laufe ich weiter zu einem Parkplatz. In Scharen kommen mir die Sonntagsausflügler entgegen. Am Wanderparkplatz biege ich nach rechts ab und folge der kleinen Straße weiter nach Süden. Laut Karte soll hier demnächst ein Weg nach Westen durch den Wald abzweigen. Tatsächlich stoße ich an einer kleinen Siedlung auf den Weg in den Wald. Ich folge ihm gut 1 km und stehe an mehreren Holzstapeln schließlich vor einem Dickicht. Und wo ist jetzt der weitere Weg? Ich suche, kann aber nichts finden. Und der Wald ist hier so dicht, dass ich mich auch nicht auf irgendwelche Experimente einlassen möchte. Mir bleibt nichts anderes übrig, als umzukehren. Ich bin frustriert! Überhaupt ist meine Stimmung heute an einem Tiefpunkt. Am liebsten würde ich abbrechen und nach Hause fahren. Ich habe das Gefühl, nicht voran zu kommen, hinzu kommen Grübeleien, was ich nach meiner Reise machen werde. So wirklich weiß ich es noch nicht. Auch die Verbindung zwischen der Deichsel und dem Hüftgurt gefällt mir immer noch nicht. Ich bleibe wieder stehen und korrigiere erneut das Gurtband.

Mittlerweile habe ich wieder die Straße erreicht und folge ihr weiter nach Süden. Bis ich schließlich Spöck erreiche. Hier biege ich kurz nach dem Ortsende in eine weitere kleine Straße nach Kleinholzhausen ab. Vorbei geht es an zahlreichen Viehweiden. Die Kühe stehen schon ungeduldig an den Zäunen und warten darauf, abgeholt zu werden. Durch den kompletten Ort von Kleinholzhausen ziehen sich Weidezäune. An jeder Garageneinfahrt oder Stellplatzzufahrt liegen Bänder am Boden. Offensichtlich werden hier morgens und abends die Kühe durch den Ort zum Hof bzw. zur Weide getrieben.

Auch am anderen Ortsende gibt es viele Weiden. Ich beschließe, der Straße weiter zum südlichen Aussichtspunkt der „Sterntaler Filze“ zu folgen. Vielleicht kann ich hier auch irgendwo mein Zelt aufbauen. Denn weit werde ich heute nicht mehr kommen. Gefühlt bin ich heute keine 10 km gelaufen. Was für ein Mist-Tag! Meine Laune sinkt immer weiter. So genau kann ich es mir gar nicht erklären.

Bohlenweg in die Sterntaler Filze
Abendliche Stimmung von der Aussichtsplattform

Am Aussichtspunkt hat man noch einmal einen schönen Blick ins Moor. Einen Platz für mein Zelt finde ich jedoch nicht. Ich verlasse daher über Bohlenwege wieder das Moor und mache mich auf den Weg in Richtung Bad Feilnbach. Ich bin keine 300 m weit gekommen, da entdecke ich am Waldrand eine schöne Bank mit Tisch. Sofort beschließe ich, hier mein Zelt aufzubauen. Während ich die letzten Sonnenstrahlen genieße, findet hinter mir am Moor plötzlich ein Fotoshooting mit einem Brautpaar statt. Dass die Braut in ihrem Kleid nicht friert? Denn mit den Temperaturen geht es rapide abwärts. Spätestens als die Sonne hinter dem Berg verschwindet, wird es eisig kalt, und ich ahne bereits, dass es heute Nacht richtig frostig werden wird: Klare Luft, kein Wind, Frost könnte im Anmarsch sein. Bereits um 20 Uhr liege ich eingemummelt in meinem Schlafsack. Ich bin gespannt, ob ich morgen bei Raureif aufwachen werde, und ob meine Stimmung morgen besser ist. Außerdem hoffe ich, in der Früh wieder schöne Bilder machen zu können.

Mein Platz für die Nacht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.